Eva Freifrau von Podewils beherbergt drei syrische Flüchtlingsfamilien
Ein Schloss als Herberge

Eva Freifrau von Podewils (Dritte von rechts) engagiert sich mit Herzblut für "ihre" syrischen Flüchtlingsfamilien. Die Buden im Hintergrund dienen übrigens nur dem bevorstehenden Adventsmarkt. Bild: Fütterer
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Deutschland und die Welt
27.11.2015
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Wildenreuth. Mit herkömmlichen Gemeinschaftsunterkünften oder ungemütlichen Container-Behausungen hat diese Unterbringung rein gar nichts zu tun: Auf ihrem Schloss Wildenreuth beherbergt Eva Freifrau von Podewils drei syrische Flüchtlingsfamilien mit neun kleinen Kindern.

Zwar nicht im Hauptgebäude selber, jedoch in einem vor wenigen Jahren sanierten Wohnhaus am Schlosshof bezogen die Asylbewerber Quartier. Die Weitläufigkeit und Großzügigkeit des ehemaligen Ritterguts im südlichen Landkreis Tirschenreuth tun den Familien aus Syrien offensichtlich gut. "Es ist so berührend, dass die Kinder wieder lachen können", sagt Eva Freifrau von Podewils. Die Kinder sprechen sie mit "Frau Baronin" an. "She is a very helpful und wonderful woman", erklärt ein syrischer Vater.

Welle der Hilfsbereitschaft

"Ich wollte einfach helfen", meint die Freifrau, die sich auch beim Kreisverband des Roten Kreuzes als stellvertretende Vorsitzende engagiert. Sie freut sich über die "offene, warmherzige Aufnahme" im Dorf und eine "breite Welle der Hilfsbereitschaft": Im ehemaligen Schlosscafé ist eine Kleiderkammer eingerichtet, tätige Unterstützung kommt von den SPD-Frauen, den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden oder von Kolping im benachbarten Erbendorf. "So geht Integration auch."

Die Adelige mit ihrer zupackenden Art wendet etwa Dreiviertel ihrer Zeit für die Betreuung auf, obwohl sie voll in der Vorbereitung ihres Weihnachtsmarktes am zweiten und dritten Advents-Wochenende steckt: Fahrten mit dem privaten Auto ins sechs Kilometer entfernte Erbendorf zum Einkaufen, zum Arzt oder während der Ferien in den evangelischen Kindergarten. Dort fanden sechs Buben und Mädchen eine Aufnahme; drei Kinder besuchen die Grundschule in Krummennaab. Sie stellte auch ehrenamtliche Deutsch-Nachhilfe auf die Beine.

Arbeitsverbot frustrierend

"Es muss unbedingt einer unserer Syrer den internationalen Führerschein bekommen, dies würde mir unwahrscheinlich viel Zeit sparen. Mein Auto würde ich zur Verfügung stellen", betont die Freifrau freimütig. Die Verknüpfung der schrecklichen Terroranschläge von Paris mit dem Flüchtlingproblem in der öffentlichen Diskussion versteht Eva Freifrau von Podewils überhaupt nicht: "Der Terror ist doch eine ganz andere Sache. Die Menschen sind doch deswegen aus Syrien geflohen." Als "frustrierend" empfinden es die Familienväter aus Syrien (darunter ein Dolmetscher, Lüftungstechniker und Koch), nicht arbeiten zu dürfen, so lange sie als Asylbewerber nicht offiziell anerkannt sind.

Bei aller Sympathie und gelebtem Engagement für "ihre" Flüchtlinge zieht die Baronin klare Grenzen: "Wer die Grundwerte unserer Gesellschaft nicht akzeptiert - die Trennung von Staat und Religion oder die Gleichheit von Mann und Frau - soll wieder gehen, weil er einfach nicht nach Deutschland gehört."

Angesichts der Demografie fordert sie die Bürger auf, "mal 20 Jahre weiter zu denken - die Asylbewerber sind nämlich Arbeitnehmer von morgen ...." Eva Freifrau von Podewils möchte jedenfalls ihren Einsatz für die Flüchtlinge beibehalten: "Wir wissen nicht, in welche Situation wir selber einmal kommen."
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