Evi Strehl zeichnet die Erinnerungen der Edelsfelder auf
Geschichten von früher

"Edelsfelder Geschichte(n)" heißt ein Link auf der Homepage der Gemeinde www.edelsfeld.de. Er führt zu Hörbeiträgen von Bürgern der (Ur-)großelterngeneration, die Erlebnisse und Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Geführt hat die Zeitzeugen-Gespräche Evi Strehl (siehe Info-Kasten).

Zunächst mal: Wie kommt man auf so eine tolle Idee?

Ich habe schon immer gern den Erzählungen alter Menschen gelauscht und mir oft gedacht, dass man das doch auch "archivieren" sollte. Von meinem ersten richtigen Gehalt nach meiner Lehrzeit habe ich mir eine Kamera und ein Aufnahmegerät gekauft und bin damit losgezogen, um ältere Menschen zu befragen und zu fotografieren. Als Kreisheimatpflegerin stellte ich dann zuerst Fragen nach musikalischen Gebräuchen unserer Heimat, später habe ich auch die Lebenserinnerungen aufgenommen.

Wie lange dauerten die Vorbereitungen technischer Art und die Umsetzung?

Die Aufnahmen entstanden während meiner gelegentlichen Heimatbesuche. Manchmal bin ich einfach mit dem Mikrofon aufgetaucht, manchmal habe ich mich auch angemeldet. Nach dem Gespräch habe ich die Aufnahmen in meinen PC eingespielt und in vielen Abend- und Wochenendstunden "digital geschnitten" und gepegelt.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Interviewpartner vorgegangen?

Die ersten Aufnahmen entstanden bei meiner eigenen Edelsfelder Verwandtschaft. Mein Interesse galt hier besonders der Nazizeit, den Kriegsgefangenen, die hier arbeiten mussten und dem schwierigen Wiederaufbau nach dem Krieg. Als diese Aufnahmen entstanden, dachte ich noch gar nicht an eine Veröffentlichung.

Ich habe mich danach nach Gemeindebürgern erkundigt, die interessant erzählen können, die was zu sagen haben. In der Regel waren das Menschen über 70 Jahre, etliche haben z.B. den Edelsfelder Kriegsbrand 1945 miterlebt, waren als Soldat im Krieg eingesetzt oder kannten das frühere harte Bauernleben aus eigener Erfahrung.

Hat auch jemand "Nein" gesagt?

Ja. Der Üllerbauern Schore wollte erst gar nicht, dann aber habe ich ihn bei einer Raucherpause vor dem Gasthof Heldrich in einer guten Stimmung erwischt. Als letzter Großbauer von Edelsfeld hat mir dann doch auf einige wenige Fragen geantwortet.

Ein weiterer Befragter hat einiges über die Nazizeit erzählt, wollte aber dann doch nicht, dass bestimmte Geschichten auf die Homepage kommen. Selbstverständlich habe ich diesen Wunsch respektiert. Von allen Befragten habe ich mir überdies die schriftliche Erlaubnis eingeholt, ihre Erzählungen zu veröffentlichen und diese der Gemeinde Edelsfeld ausgehändigt.

Wie haben Sie sich die Beiträge "erarbeitet"?

Ich habe grundsätzlich jeden nach seinem gesamten Leben befragt und alles aufgenommen. Sobald ich gemerkt habe, dass ein Thema besonders gut in Erinnerung ist, habe ich entsprechend nachgehakt. Hier kam mir natürlich meine langjährige Befragungs-Erfahrung als Moderatorin mit Studiogästen zu Hilfe.

Jeder Befragte erhielt eine Mitschnitt-CD mit seinen gesamten Erzählungen, damit auch jüngere Familienmitglieder die Geschichte ihrer Großeltern nachhören können.

Wie viel Zeit haben Sie im Durchschnitt für ein Gespräch gebraucht und wie lange, um das Ergebnis zu bearbeiten?

Ein Besuch samt Gespräch dauerte mindestens zwei Stunden, manchmal auch einen Nachmittag lang. Die Bearbeitung des Aufgenommenen nahm sehr viel Zeit in Anspruch - je nachdem, wie lange erzählt wurde. An einer Aufnahme saß ich einmal mehrere Wochenenden.

Planen Sie eine Fortsetzung der Reihe?

Gelegentlich werde ich wieder mit meinem Mikrofon unterwegs sein. Mir persönlich wäre es sehr lieb, wenn von jedem Dorf der Gemeinde Edelsfeld mindestens eine Person in Wort und Bild abgebildet wird. Das kommt aber natürlich auf die Themen an - die Auswahl soll ja möglichst viele verschiedene Geschichten anbieten.
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