Ex-Buchstabenfee wird Königin

Sonja Zietlow (rechts) und Daniel Hartwich präsentieren mit Maren Gilzer die "Dschungelkönigin 2015". Die schwebt nach eigenem Bekunden erstmal auf Wolke 7. Sie habe sich im Dschungel wohlgefühlt: "Ich hätte auch länger drinbleiben können." Bild: RTL/ Stefan Menne

In aller Freundschaft gewinnt Maren Gilzer die überaus harmonische Dschungelcamp-Staffel Nummer neun. Die Show bleibt bei Millionen beliebt, aber die Zahl der Zuschauer schrumpft. Keine Lust mehr auf zu viel Trash?

Sie hat die ärgsten Widrigkeiten des Dschungels in Angriff genommen: Schafhoden, Schlangengrube und Walter Freiwald. Dafür haben die Zuschauer Maren Gilzer (54) zur Dschungelkönigin 2015 gekrönt. Einst Buchstabenfee beim "Glücksrad", dann als Schwester Yvonne in der Arzt-Serie "In aller Freundschaft" schwankte Maren in der neunten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" zwischen Camp-Mutti und großem Mädchen mit Zöpfchen links, Zöpfchen rechts. Nachdem sie in der Nacht zum Sonntag den Thron bestiegen hatte, bedankte sie sich erstmal für die harmonische Gruppe - deren Bilanz sich für RTL aus zwei Perspektiven lesen lässt.

Nach den blanken Zahlen ist die Reichweite eingebrochen: Knapp 6,8 Millionen Menschen schauten durchschnittlich zu. Damit ist Staffel 9 nur die fünftbeste. Kein Vergleich zur erfolgreichsten Ausgabe im vergangenen Jahr, als im Schnitt fast acht Millionen einschalteten.

Konstant viele Zuschauer

Der Kölner Privatsender meint: Kein anderes Show-Format versammele über zwei Wochen konstant so viele Zuschauer vor dem Fernseher. Und das ist nicht nur die Sicht der Verantwortlichen: Die Experten der Mediaagentur Media-Com, die für die werbetreibende Industrie die Zuschauerresonanzen analysiert, zählten während der gut zwei Wochen 691 555 Tweets und Facebook-Kommentare, in denen die Zuschauer in Sozialen Medien über die Sendung sprachen - so viel wie nie zuvor.

"Sie funktioniert noch, die Lokomotive TV", sagt Media-Com-Chef Oliver Blecken. Fernsehen treibe nicht nur Diskussionen in den Büros oder Kantinen an. "Fernsehen schafft es auch für mehr als zwei Wochen die Trending Topics der Social-Media-Plattformen zu dominieren."

Doch da war auch die Diskussion um Langeweile: So friedvoll sich das Trio aus Regentin Gilzer, dem Zweitplatzierten Jörn Schlönvoigt (28, "Gute Zeiten, schlechte Zeiten") und Tanja Tischewitsch (25, "Deutschland sucht den Superstar") auf Platz drei am letzten Tag im Pritschenlager gab, so unaufgeregt war im Grunde auch die Staffel. Keine Kracher. Selbst den Moderatoren Sonja Zietlow (46) und Daniel Hartwich (36) blieb zwischenzeitlich kein anderer Lästerstoff übrig als das Schlafen und Rumliegen der Camper. Laut Media-Com sprachen Nutzer in 15 756 Tweets und Facebook-Posts von Langeweile.

Ein Lichtblick war nur Teleshopping-Verkäufer Freiwald (60), der die Show bis zu seinem Rauswurf auf Platz sechs mit einem Mix aus Arroganz und Verhaltensauffälligkeit dominierte. Bundespräsident wolle er werden, erzählte er. Die ZDF-Show "Wetten, dass..?" sei ihm angeboten worden - was der Sender dementiert. Die Kameras im australischen Urwald nutzte er zur Stellensuche. Zwischendurch zog er über Mitcamper her - oft hinter deren Rücken. Oder taperte mit heruntergelassener Hose aus dem Dschungel-Klo - auf der Suche nach Toilettenpapier. Auf Augenhöhe: nur Maren, die ihm mal mit deutlichen Worten Paroli bot.

Als Einschlafhilfe

Ist der Sendung ihr seit 2004 nahezu unverändertes Format zum Verhängnis geworden? Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher sagt, die Kandidaten, auf die es bei der Show ankomme, seien den Erwartungen nicht gerecht geworden. So habe etwa Model Aurelio Savina im Vorfeld sein erotisches Potenzial betont, sich aber in der Sendung sehr passiv gezeigt. "Andere Kandidaten wie etwa Rebecca Siemoneit-Barum sitzen beziehungsweise liegen ihre vertraglich vereinbarte Zeit ab und fungieren so als Einschlafhilfe für die Zuschauer", sagt sie. Auch die Wiederholung bekannter Spiele habe zum Gesamteindruck der Langeweile beigetragen. (Angemerkt)
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