Ex-Staatskanzleichefin verliert Immunität, Ehemann steht Prozess bevor
Harte Zeit für die Haderthauers

Es kommt knüppeldick für das Ehepaar Haderthauer - die frühere Staatskanzleichefin steht vor dem Verlust ihrer Immunität als Landtagsabgeordnete, ihr Mann muss sich demnächst vor Gericht verantworten. Es geht um die Modellbauaffäre, die Christine Haderthauer ihr Spitzenamt in der Schaltzentrale von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kostete und ihrem Mann Hubert eine Anklage wegen Betrugs und Steuerhinterziehung sowie ein vorläufiges Berufsverbot einbrachte.

Der Rechtsausschuss des Landtags erhob am Donnerstag keine Einwände gegen den Plan der Staatsanwaltschaft München II, einen Strafbefehl gegen Christine Haderthauer zu beantragen. Nun muss noch die Vollversammlung des Landtags zustimmen. Das ist jedoch nach den parlamentarischen Gepflogenheiten ebenso Formsache wie die Behandlung im Rechtsausschuss.

Von den ursprünglichen Vorwürfen der Ermittler ist nicht mehr viel übriggeblieben. Anstelle von Betrug und Steuerhinterziehung wirft die Staatsanwaltschaft der CSU-Politikerin nun nur noch "Steuerverkürzung" von 2700 Euro vor. Haderthauer soll die Steuerlast der Firma Sapor Modelltechnik um diesen Betrag verringert haben, indem sie die Betriebsausgaben zu hoch ansetzte. Über ihren Anwalt habe sie bereits deutlich gemacht, dass sie einen Strafbefehl akzeptieren werde, hieß es in informierten Kreisen.

Bei der Affäre ging es um die früheren Geschäfte der Haderthauers mit teuren Luxus-Modellautos, die ein in der Psychiatrie einsitzender Dreifachmörder herstellte. Treibende Kraft des Unternehmens war Haderthauers Mann Hubert, der den Mörder Ende der 1980er Jahre im Bezirkskrankenhaus Ansbach kennengelernt und Sapor Modelltechnik als "Arbeitstherapie" aufgezogen hatte. Der Strafprozess gegen Hubert Haderthauer beginnt kommende Woche. Vom 3. Dezember an sind sieben Verhandlungstage angesetzt, wie das Oberlandesgericht mitteilte. Das Urteil wird voraussichtlich von der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II am 25. Januar 2016 verkündet.

Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang November Anklage gegen den Mediziner wegen Betrugs und Steuerhinterziehung erhoben. Der Landgerichtsarzt aus Ingolstadt war bis 2008 Miteigentümer von Sapor Modelltechnik. Die Anklagebehörde wirft Haderthauer vor, als geschäftsführender Gesellschafter einen früheren Mitgesellschafter um gut 84 000 Euro geprellt zu haben.

Der Mediziner darf derzeit nicht als Landgerichtsarzt arbeiten. Die Regierung von Oberbayern sieht durch die Vorwürfe das Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben, das bei einem Beamten bei einer gerichtsnahen Tätigkeit aber bestehen müsse.
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