Experten: Bei Krankheit Teilzeit arbeiten

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gab das Gutachten in Auftrag. Bild: dpa

Krankengeld in Rekordhöhe - und nichts scheint dagegen zu helfen. Experten schlagen vor, die Patienten besser zu versorgen - und es ihnen zu ermöglichen, nur ein bisschen krank zu sein und Teilzeit zu arbeiten. Künftig könnte es also Lohn und Krankengeld geben.

(epd/dpa) Angesichts stark gestiegener Ausgaben für das Krankengeld haben Sachverständige die Einführung eines Teilkrankengeldes angeregt. Das ermögliche erkrankten Arbeitnehmern entsprechend ihres Gesundheitszustandes in Teilen weiter ihrer Arbeit nachzugehen, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, am Montag. Das Gremium stellte Empfehlungen zur Reform des Krankengelds vor, das Versicherte nach Ende der Lohnfortzahlung bei Krankheit als Ausgleich von der Krankenkasse bekommen.

Teilkrankschreibung und Teilkrankengeld gebe es bereits in skandinavischen Ländern, erläuterte Gerlach. Bislang gibt es für Langzeiterkrankte in Deutschland nach frühestens sechs Wochen die Möglichkeit eines stufenweisen Jobeinstiegs über das Hamburger Modell. In so einer Rückkehrphase zahlt die Kasse. Davor gelte "entweder 100 Prozent krank oder 100 Prozent arbeitsfähig", sagte Gerlach. Die Teilregelung solle dagegen vom ersten Krankheitstag an gelten. Diese ermögliche mehr Flexibilität, erklärte er. Die Kassen sollen nicht allein für den Lohnersatz aufkommen, sondern der Arbeitgeber in der Höhe des Arbeitseinsatzes ein reduziertes Gehalt zahlen. Arbeitet ein teilkrankgeschriebener Mitarbeiter 50 Prozent, müsse der Arbeitgeber die Hälfte des Entgelts zahlen.

Die Kosten für das Krankengeld sind seit dem Jahr 2006 von damals 5,7 auf 10,6 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen. 10,4 Milliarden Euro entfielen auf die Zahlung von Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit, der Rest auf das Kinderkrankengeld. Gründe für den Anstieg sind unter anderem die höhere Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter und die höheren Einkommen, mit denen auch das Krankengeld steigt.

Die Sachverständigen fordern zudem Maßnahmen zur schnelleren Versorgung psychisch Kranker. Sie schlagen vor, das Krankengeld zu streichen, wenn Versicherte der Aufforderung, eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente zu beantragen, nicht nachkommen. Bislang ist das nur möglich, wenn Reha-Leistungen nicht beantragt werden. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmenk warnte, die Empfehlungen dürften nicht dazu führen, dass auf Patienten mehr Druck ausgeübt werde. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der das Gutachten bestellt hatte, kommentierte die Vorschläge zunächst zurückhaltend.
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