Fachberater prüft: Wie einbruchssicher sind Weiden und Umgebung?
Fingerabdruckleser im Einödhof

Dieter Melzner weiß, wie man Panzerknacker stoppt. Bild: Herda
Weiden. (jh) Der Mann weiß, wie man Fenster und Türen knackt. Dieter Melzner darf das nicht nur, er muss sich mit dem illegalen Handwerk auskennen: Der kriminalpolizeiliche Fachberater für den technischen Einbruchsschutz checkt, wie einbruchssicher Weiden und Umgebung aufgestellt sind.

Kriminalhauptmeister Dieter Melzner bringt außer polizeilicher Erfahrung jede Menge praktisches Know-how in sein neues Betätigungsfeld mit ein. Der gelernte Elektriker berät seit September private Haushalte und Unternehmer, wie sie ihr Gebäude besser sichern können. Dabei hat der Altöttinger schon manche Überraschung erlebt: "Einmal bin ich zu einem Einödhof gefahren und habe mir schon zurecht gelegt, wie ich der Bäuerin das Sicherheitsthema nahebringe", sagt der Beamte schmunzelnd.

"Dann komme ich da an, und die Frau zeigt mir ihr digitales Schließsystem mit Fingerabdruckleser - das Gebäude war gesichert, dass ich mich gefragt habe, wofür bin ich eigentlich gekommen?" So ein Transponder sei allemal besser als ein Schlüssel. "Sogar mit Lebenderkennung, da ist nichts mit Fingerabschneiden."

2004 mehr Einbrüche

Aber nicht alle Bürger leben zu Hause gesichert wie in Fort Knox. Bei rund 60 Beratungen vor Ort fand Melzner durchaus Optimierungspotenziale. "Etwa 90 Prozent aller Haushalte haben keine Sicherung", sagt er ohne Stirnrunzeln. Denn trotz steigender Einbruchszahlen sei die nördliche Oberpfalz nicht gerade ein Mekka der räuberischen Zunft. "Der Sicherheitsbericht 2013 der Stadt Weiden und der Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth zeigt, dass die Delikte zunehmen, aber nicht so massiv, wie die Presse suggeriert." Im Zehnjahresvergleich sei die Situation schon brenzliger gewesen. "2004 hatten wir 79 Fälle von schwerem Diebstahl, 2013 nur 36."

2004 habe es eine signifikant hohe Rauschgiftkriminalität gegeben. "Man hat immer wieder Serien, wegen denen Spitzen zustande kommen." Auch wenn es sich nicht zweifelsfrei klären lasse: "Bei den meisten Einbrüchen handelt es sich um Beschaffungskriminalität, da liegt es nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Statistiken gibt." Das Muster der unter Drogensucht handelnden Täter sei immer dasselbe: "Sie suchen Geld, Schmuck und Elektronik, alles, was sich schnell in Drogen umsetzen lässt." Die Vorgehensweise: "Sie bevorzugen oft Kindergärten und Schulen, weil dort das Entdeckungsrisiko gering ist." Immerhin ein Viertel der aufgeklärten Taten seien unter Alkohol-Einfluss begangen worden.

Übrigens: Der Anteil beteiligter Nicht-Deutscher sei in diesem Zeitraum nur um drei Prozent gestiegen: "Die Tätergruppen haben sich verschoben, aber es ist kein Effekt der Grenzöffnung zu erkennen", sagt Melzner. "Köln fängt zu weinen an, wenn die unsere Zahlen sehen." Auch wenn der Anti-Einbruchsspezialist keinerlei Grund für Panik sieht, rät er pragmatisch zu Verbesserungen der Sicherheitsarchitektur: "Wenn ich sowieso die Fenster austauschen oder energetisch sanieren möchte, dann macht das Sinn - die Mehrkosten belaufen sich dann vielleicht auf 20 bis 30 Prozent."

Nass geschwitzt

Mit vergleichsweise geringem Aufwand könne man sich gegen nahezu 99 Prozent der Gelegenheitseinbrecher schützen. "Geeignete Nachrüstsicherungen sind für die allermeisten Täter ein unüberwindbares Hindernis." Die Erfahrung zeige: "Das Fenster muss mindestens fünf Minuten aushalten, dann geht der Durchschnittsräuber zum Nachbarn." Deshalb sei es zweckmäßig, bei einem Wechsel auf zertifizierte Produkte zurückzugreifen: "Ich habe das in der Ausbildung selber ausprobiert", erzählt der Polizist. "Für ein normales Fenster brauchte ich vier Sekunden mit einem herkömmlichen Schraubenzieher. Beim geprüften Sicherheitsfenster war ich nach zwei Minuten nass geschwitzt und nach fünf Minuten sah es noch immer so aus wie vorher."

Es gebe Sicherheit und Scheinsicherheit: "Eine Terrassentür, die etwas taugt, hat vier Sicherungselemente. Wir hatten in Tirschenreuth einen Fall mit nur einer Sicherung - der Einbrecher floh aber zum Glück, weil er den Besitzer sah." Deshalb: "Finger weg von nicht geprüften Sicherungselementen." Melzner hat eine Liste mit Handwerkern in der Region, die selber eine Fortbildung zu diesem Thema durchlaufen haben und ausschließlich zertifizierte Produkte verwenden. "Dann ist man auf der sicheren Seite, dass die das auch richtig einbauen."
___

Terminvereinbarung: Tel. 0961/401-258
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.