Familienministerin Manuela Schwesig schwanger: "Bin kein Rollenvorbild für modernes Deutschland"
Babyglück im Bundeskabinett

Manuela Schwesig erwartet ihr zweites Kind. Sie steht nun ebenso vor der Aufgabe, Familie und Beruf zu vereinbaren, wie zuvor ihre Kolleginnen Kristina Schröder und Andrea Nahles. Bild: dpa
Das Familienministerium muss eine Weile ohne seine Chefin auskommen. Jedoch nur wenige Wochen - wie Ministerin Manuela Schwesig betont. Die 41-Jährige erwartet in wenigen Monaten ihr zweites Kind. Das ist für sie kein Grund, ihren Ministerposten an den Nagel zu hängen. "Es ist immer ein Spagat, wie in anderen Familien auch", sagte die SPD-Politikerin.

Beruf oder Karriere? Die Frage habe sie mit ihrem Mann Stefan gemeinsam und ganz pragmatisch beantwortet: Sie hat beim ersten Kind pausiert, nun sei er an der Reihe. "Es ist für uns beide selbstverständlich, dass wir berufstätig sind und beide im Beruf bleiben", betont Schwesig.

"Mir geht es prima"

Mit breiten Grinsen wirbt sie an diesem Dienstag in Berlin gemeinsam mit Schulkindern für sichere Schulwege. Die Aufmerksamkeit gehört in diesem Moment jedoch nur der Ministerin. Wölbt sich schon ein Babybauch unter dem roten Kleid? Wie fühlt sie sich? "Mir geht es gut, mir geht es prima", wiederholt sie geduldig. Sie sei sehr glücklich, sagt sie knapp. Besonders über die vielen Glückwünsche. Die kamen auch von Kanzlerin Angela Merkel und weiteren Kabinettsmitgliedern. Die Neuigkeit über den Nachwuchs hätten die Kollegen erst am Dienstagmorgen erhalten. "Das ist ja nichts, was man in einer Kabinettssitzung bekanntgeben muss", sagt die Politikerin.

Trotzdem erinnert man sich in Berlin auch an Schwesigs Vorgängerin. Vier Jahre lang war Kristina Schröder in der Regierung, 2011 bekam sie ein Kind, als erste Bundesministerin während der Amtszeit. Heute hört man nicht mehr viel von ihr. Schröder wollte sich mehr Zeit für ihre Familie nehmen.

"Es ist eine ganz persönliche Entscheidung", sagt Schwesig heute. Für sie sei der Ausstieg jedoch keine Option. Vorbild für Schwesig dürfte eher Ursula von der Leyen sein. Heute ist die siebenfache Mutter Verteidigungsministerin. Das Attribut "ehrgeizig" wird für Schwesig oft vergeben. Die gelernte Diplom-Finanzwirtin hat sich in der Großen Koalition zu einer großen Hoffnungsträgerin ihrer Partei entwickelt. Denn ihre Themen sind nah bei den Menschen. Die Frauenquote ist ihr Erfolg, mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen soll einer werden, ihr wichtigstes Anliegen aber bleibt die Frage, wie Männer und Frauen Familie und Beruf noch besser vereinbaren können.

Eigene Erfahrungen

Die 41-Jährige ist da dicht bei ihrer eigenen Lebenserfahrung. Sie pendelt zwischen Berlin und der Familie in Schwerin, ihr achtjähriger Sohn Julian hat von seiner Mutter an manchen Tagen nicht mehr als Anrufe. Aber er hat einen Vater, der sich dank reduzierter Arbeitszeit kümmert.

Schwesig als Rollenvorbild für das moderne Deutschland? "Nein, das muss jede Frau für sich selbst entscheiden." Sie arbeitet einen Tag im Monat zu Hause im Home Office. Im Dienstwagen von Schwerin nach Berlin werden Akten studiert und Telefonkonferenzen abgehalten. In der Hauptstadt schläft Schwesig im Ministerium. Der Familiensonntag zu Hause ist ihr besonders wichtig. "So wie eigentlich in jeder anderen Familie auch", erklärt Schwesig.
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