Fast zwölf Millionen Syrer auf der Flucht

Diese Menschen benötigen die Hilfe der Welt, doch statt sie ausreichend zu bekommen, leben sie unter schrecklichen Bedingungen und sinken weiter in die Armut.

Das Leiden in Syrien kennt kein Ende. Immer mehr Menschen fliehen vor der Gewalt - vier Millionen haben das Land verlassen. Europa tut sich derweil weiter schwer im Umgang mit der Flüchtlingswelle. Deren volle Wucht trifft ausgerechnet Griechenland.

Die Zahl der syrischen Kriegsflüchtlinge im Ausland ist auf mehr als vier Millionen und damit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Das seien rund eine Million mehr Flüchtlinge als vor zehn Monaten, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Donnerstag in Genf mit. Mindestens 7,6 Millionen weitere Menschen seien im fünften Jahr des Bürgerkrieges Vertriebene im eigenen Land. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen. Die Statistik des UNHCR erfasst nur Menschen, die sich bei dem Hilfswerk registriert haben.

Nachbarländer überlaufen

Die Türkei hat laut UNHCR mit 1,8 Millionen Flüchtlingen die meisten Menschen aufgenommen. In den Libanon sind fast 1,2 Millionen Menschen geflohen - das entspricht etwa einem Fünftel der bisherigen Bevölkerung des Landes. Seit einer Generation habe kein anderer Konflikt derart großes Leid erzeugt und so viele Frauen, Kinder und Männer in die Flucht getrieben, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres. "Diese Menschen benötigen die Hilfe der Welt, doch statt sie ausreichend zu bekommen, leben sie unter schrecklichen Bedingungen und sinken weiter in die Armut", beklagte er. Eine dramatische Verschiebung der Fluchtrouten im Mittelmeer belastet nach Angaben der Vereinten Nationen zunehmend das finanzschwache Griechenland. "Da hat sich die Zahl der Neuankünfte im Juni fast verdoppelt", berichtete am Donnerstag der Leiter der UNHCR-Rechtsabteilung, Roland Blank, bei einer Veranstaltung der CDU im niedersächsischen Landtag. Im Mai habe es 18 000 Neuankünfte von Flüchtlingen in Griechenland gegeben, im Juni dagegen 33 000. "33 000 Neuankünfte in einem Land, das eine Aufnahmekapazität von 1000 bis 2000 Personen hat", sagte Blank.

EU-Länder streiten weiter

Im Streit um die Verteilung von insgesamt 60 000 Flüchtlingen schaffen die EU-Länder ihr Ziel vorerst nicht. "Für die Umsiedlung sind wir noch nicht am Ziel", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Luxemburg. Binnen zwei Jahren sollen 40 000 Asylberechtigte, also etwa syrische Kriegsflüchtlinge und Opfer der Militärdiktatur in Eritrea, innerhalb der EU umverteilt werden. Deutschland wird von den 40 000 Flüchtlingen 9000 aufnehmen, sagte de Maizière. Zudem sollen weitere 20 000 Menschen aus Lagern nahe der syrischen Grenze in der EU neu angesiedelt werden. De Maizière kündigte an, dass Deutschland 3100 dieser Flüchtlinge aufnimmt.
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