FC Amberg besiegt Memmingen mit 3:1
Werner-Hattrick beschert ersten Auswärtssieg

Symbolbild: dpa
Amberg/Memmingen. (lst) „Unglaublich, der Wahnsinn“, freute sich Hubert Kirsch, Teammanager des Fußball-Regionalligisten FC Amberg, im Kreise der Mannschaft, die zusammen mit den Trainern und Funktionären nach dem Schlusspfiff ausgelassen auf dem Platz feierte. Am Samstag gab es für den Aufsteiger aus der Oberpfalz beim Namensvetter in Memmingen vor 857 Zuschauern endlich den ersten Auswärtssieg in dieser Saison. Und was für ein bemerkenswerter, denn die Elf von Trainer Timo Rost setzte sich verdient mit 3:1 (0:1) durch und bejubelte dabei Stürmer Benjamin Werner, der mit seinem lupenreinen Hattrick in der zweiten Halbzeit die Gelb-Schwarzen auf die Gewinnerstraße gebracht hatte.

Mit diesem Erfolg haben die Vilsstäder inzwischen zehn Zähler Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz und sieben auf den Relegationsrang. Kirsch sprach zu recht von einem „eminent wichtigen Erfolg“. „Was wir vor allem in der zweiten Hälfte gezeigt haben, war bärenstark. Wir ließen Memmingen nicht mehr zur Entfaltung kommen. Betrachtet man die anderen Ergebnisse des Spieltages, dann kam unser erster Auswärtsdreier zum absolut richtigen Zeitpunkt“, sagte der Teammanager.

„Wir wollen den Punkt der letzte Woche von München nun in Memmingen vergolden“, hatte Ambergs Coach vor der Partie noch verlauten lassen – gesagt, getan. Sein Memminger Kollege Thomas Reinhardt sann mit seinem Team hingegen nach dem 1:4 aus dem Hinspiel auf Revanche: „Das Hinspiel am ersten Spieltag, als der Gegner uns überrannte und verdient gewann, haben wir nicht vergessen und deshalb haben wir alle hier etwas gutzumachen“, hatte er gesagt und musste dann aber neidlos den Sieg der Amberger anerkennen.
Dazu schickten er und sein Trainerkollege Christian Braun die gleiche Startformation aufs Feld, die zuletzt zuhause mit 3:1 gegen den FC Augsburg II gewonnen hatte. Amberg hingegen musste notgedrungen seine Anfangself gegenüber dem 2:2 beim FC Bayern München auf einer Position verändern. Für den gelb-gesperrten Stürmer Tobias Wiesner begann dieses Mal Kai Hempel – Rost wählte also eine leicht defensivere Variante. Obwohl von ihm angekündigt, dass der lange verletzte Andreas Graml „durchaus eine Option sein könnte“, entschied er sich, den flinken Außenverteidiger noch zu schonen und nicht in den Kader zu berufen. Dafür rückte überraschend Ibrahim Devrilen nach, der durch seine gute Leistungen in der Bezirksliga auf sich aufmerksam gemacht hatte und im Allgäu erstmals auf der Bank des Regionalliga-Teams saß.

Zwischen den zwei punktgleichen Teams entwickelte sich vom Anpfiff weg ein offener Schlagabtausch, bei dem es Chancen hüben wie drüben gab. Und wer weiß, wie die Begegnung noch früher verlaufen wäre, hätte Benjamin Werner nach nur fünf Minuten sein Visier etwas besser eingestellt gehabt. Zunächst hatte sich Christian Knorr an der Grundlinie durchgetankt und passte auf den mitgelaufenen Thomas Schneider zurück. Dessen Schuss aus sieben Metern wurde von der vielbeinigen Memminger Abwehr abgeblockt. Den Nachschuss setzte dann der leicht überraschte Werner aus kurzer Distanz dann jedoch neben den Pfosten.

Besser machten es die Gastgeber sechs Minuten später bei einer Standardsituation: Nach einem Freistoß von Andreas Mayer stieg im FCA-Strafraum Fabian Krogler am höchsten und köpfte aus sechs Metern über Ambergs Schlussmann Matthias Götz hinweg zum 1:0 in die Maschen. Und die Vilsstädter hatten Glück, dass Daniel Geldhauser kurz danach seinen Schuss von der Strafraumgrenze nur an den linken Pfosten setzte (15.).

Aber auch die Gäste, die immer besser ins Spiel kamen und am Drücker waren, versteckten sich nicht und suchten den Weg nach vorne. Erneut Werner verzog seinen Flachschuss um Zentimeter (23.), bevor ein von Sebastian Schmeiser abgefälschter Versuch vom neben Werner überragenden Marco Wiedmann vom Memminger Torwart Martin Gruber geklärt wurde (31.) und Werners Kopfball aus vier Metern nach einer Ecke ebenso sein Ziel verfehlte (43.).

Zuvor Geldhauser hatte nach feinem Zuspiel von Kevin Ruiz (36.) den Ball in aussichtsreicher Position am Fünf-Meter-Raum verstolpert. Einen großen Aufreger in einer kurzweiligen und kernigen ersten Hälfte gab es unmittelbar vor dem Seitenwechsel, nachdem Schneider am Sechzehner scharf nach innen flankte und ein Memminger Akteur ganz klar mit der Hand zum Spielgerät ging. Doch Referee Matthias Zacher gab den Elfmeter, den auch viele der Zuschauer erwartet hatten, nicht. „Eine klare Angelegenheit“, sagte in der Pause Kirsch. „Das wäre wohl das vollkommen gerechte 1:1 gewesen. Memmingen war am Anfang stärker, dann hatten wir mehr Anteile.“

Während die Gastgeber zu Beginn des zweiten Durchgangs verletzungsbedingt zweimal wechseln mussten, schickte Rost die gleiche Formation ins Rennen. Die knüpfte genau dort an, wo sie am Ende der ersten aufgehört hatte und machte mächtig Druck. So tanzte Wiedmann gleich drei FCM-Akteure aus, seine Hereingabe von rechts fand aber in der Mitte keinen Abnehmer (49.). Aller guten Dinge sind drei – das dachte sich dann Werner 60 Sekunden später: Nachdem er zwei Möglichkeiten vergeben hatte, gelang ihm ein absolutes Traumtor. Aus gut und gerne 28 Metern aus halbrechter Position schlenzte er die Kugel unhaltbar ins linke obere Eck – ein Treffer der Marke „Tor des Monats“.

Und der FC Amberg marschierte weiter und hätte in der 53. Minute das 2:1 machen können. Allerdings war nach einer Flanke von Oliver Gorgiev der Winkel für Frank Lincke dann doch etwas zu spitz, so dass das Leder über die Latte setzte. Die Gelb-Schwarzen hatten in dieser Phase Memmingen komplett im Griff und suchten die Vorentscheidung. Die wäre dann beinahe Lincke in der 57. Minute gelungen, als er einen Schneider-Freistoß mit dem Hinterkopf verlängerte. Memmingen hatte es dem reaktionsschnellen Gruber zu verdanken, der mit einer Glanzparade zur Ecke klären konnte. Auf der Gegenseite setzten Denis Hoffmann (59.) und Vinko Sapina (60.) ihre Kopfbälle zu hoch an.
Das Auslassen dieser Möglichkeiten und ein katastrophaler Abwehrfehler von Edgar Weiler bestraften die Gäste eiskalt: Wiederum Werner traf mit einem schönen Heber zum 2:1 (70.).

Der FCA-Stürmer krönte seine Leistung schließlich mit seinem dritten Treffer zum lupenreinen Hattrick in der 73. Minute: Nach einer wunderschönen Kombination über Knorr und Wiedmann hatte er aus fünf Metern keine Mühe mit dem 3:1 – die Entscheidung für einen bärenstark auftretenden FC Amberg, der den Sieg gegen kapitulierende Memminger routiniert über die Zeit brachte. Der Rest war Jubel und Freude pur.
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