FC Amberg: Donnerstag Entscheidung über Ausgliederung in GmbH
Erster Schritt zum Profiverein

In den nächsten Tagen sind sie alle gefordert: Die Spieler um Tobias Wiesner und Frank Lincke (von links) auf dem Platz und die Mitglieder im Sportpark-Restaurant, wo über die Zukunft des bezahlten Fußballs entschieden wird. Bild: Ziegler
Amberg. (tk) Zwei Partien trennen den FC Amberg noch vom Aufstieg in die Regionalliga. Heute und am Samstag geht es gegen den VfR Garching. Zwischen den Spielen sind die Mitglieder gefordert. Sie entscheiden am Donnerstag, ob der TV 1861 den Fußballern eine neu zu gründende Gesellschaft und damit die Strukturen eines Profivereins verpasst.

Ein Punkt steht bei der um 19.30 Uhr im Sportpark-Restaurant beginnenden außerordentlichen Mitgliederversammlung offiziell ganz oben auf der Tagesordnung: "Ausgliederung des FC im TV Amberg in eine GmbH." Das sei so jedoch nicht richtig, sagt Dr. Manfred Postler. Der Amberger, der vor seinem Ruhestand Vorsitzender Richter am Nürnberger Oberlandesgericht war, hat die vergangenen zweieinhalb Jahre damit verbracht, einen Kooperationsvertrag auszuarbeiten, der die Zukunft des bezahlten Fußballs regelt.

Das Konstrukt, das Postler entwickelt hat, ist eine GmbH & Co. KG, die den Auftrag hat, "den Fußball im TV Amberg in der Breite und der Spitze zu unterstützen". In jeder Beziehung: "Finanziell und organisatorisch." Es handle sich also nicht um eine Ausgliederung der ersten Mannschaft oder gar der gesamten Sparte, sondern "um die Übertragung von Aufgaben an eine Gesellschaft". Ganz nach dem Vorbild der Proficlubs.

GmbH trägt das Risiko

So werde der TV 1861 als Mehrheitsgesellschafter 51 Prozent halten, die GmbH um Helmut Schweiger 49. Der bisherige FC-Chef könnte laut Postler seine Anteile auch verkaufen und so die finanzielle Verantwortung verteilen. Aus Sicht des Gesamtvereins, der Postler vor Jahren zum Ehrenmitglied des vereinsinternen Kontrollgremiums Turnerrat gemacht hat, sei diese Entwicklung sogar erwünscht, "um nicht von einem Geldgeber abhängig zu sein". Sollte der FC eines Tages in finanzielle Turbulenzen geraten, bliebe der Gesamtverein mit seinen 14 weiteren Sparten finanziell außen vor: "Das ist das A und O", sagt Postler, der eine weitere Absicherung eingebaut hat. Teil der GmbH ist ein fünfköpfiger Beirat. Zwei Vertreter stellt der TV 1861 (einer soll Fußball-Abteilungsleiter Werner Aichner sein) und zwei weitere die Schweiger-Seite. Den letzten Platz soll OB Michael Cerny an eine Person seines Vertrauens vergeben. Dieser Beirat ist laut Postler das "harmonisierende Ausgleichsgremium" der GmbH, das den Geschäftsführer bestellen oder abberufen darf. Laut AZ-Informationen soll der bisherige Sportdirektor des FC Amberg, Hubert Kirsch, diese Aufgabe übernehmen.

Mitglieder stimmen ab

Zwei Partien trennen den FC Amberg noch vom Aufstieg in die Regionalliga. Heute und am Samstag geht es gegen den VfR Garching. Zwischen den Spielen sind die Mitglieder gefordert. Sie entscheiden morgen, ob der TV 1861 den Fußballern eine neu zu gründende Gesellschaft und damit die Strukturen eines Profivereins verpasst.

Der Kooperationsvertrag regelt zudem rechtliche und finanzielle Details. So habe sich die GmbH um den Unterhalt der Sportstätten zu kümmern sowie den Schul- und Breitensport zu ermöglichen. Als Gegenleistung erhalte die Gesellschaft die Rechte am Namen FC Amberg und dürfe diesen entsprechend vermarkten. Alle Einnahmen aus Eintritten und Werbung blieben bei der GmbH, die rein rechtlich auch den Stadionnamen an einen Sponsor verkaufen dürfte. Kurz vor der Entscheidung über das Vertragswerk sagt Postler: "Der Vorstand hat sich flexibel gezeigt." Die Personalkonstellation sei ein Glücksfall. Der Jurist meint damit vor allem FC-Boss Helmut Schweiger und TV-Vorsitzenden Thomas Bärthlein. Letzterer macht aus der Erwartungshaltung kein Geheimnis: "Ich gehe davon aus, dass alle Mitglieder ja sagen. Wenn das Gegenteil passieren sollte, müsste ich meine Position als Vorsitzender hinterfragen."

Bärthleins Vorgänger Rudolf Maier sieht's nicht anders. Dem ehemaligen Bürgermeister und aktuellen CSU-Stadtrat wäre es zwar lieber gewesen, wenn aus dem FC ein eigener Verein geworden wäre, aber: "Wird das nicht gemacht, ist es besser, eine GmbH zu gründen, als alles so zu lassen, wie es ist." Auch Maier geht davon aus, dass die Mitglieder nichts gegen die neuen Strukturen haben werden: "Für den Verein entsteht kein Nachteil." Auch die Zustimmung des Stadtrats setzt der Politiker voraus: "Das wird durchgewunken."

Weil die Stadt dem TV das Areal auf Erbpachtbasis überlässt, müssten alle Vereinbarungen künftig mit der GmbH getroffen werden. Laut Maier nicht mehr als eine Formsache.
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