Festgottesdienst zu Ehren des Heiligen Leonhard - Festprediger ruft zum Teilen mit Flüchtlingen ...
Pilgermarsch nach Beidl hat Tradition

Pfarrer Thomas Stohldreier rief die Gemeinde dazu auf, angesichts der Flüchtlingsströme über den eigenen Tellerrand zu schauen. Bild: gbj
Die Pfarrei Beidl und die Ortschaft Pilmersreuth an der Straße feierten am Samstag einen Festgottesdienst zu Ehren des Heiligen Leonhard, der Nebenpatron der Pfarrei ist. Pater Joy begrüßte dazu Kaplan Thomas Kraus aus Deggendorf, den aus der Pfarrei Beidl stammenden Diakon Egon Giehl sowie als Zelebranten und Prediger Thomas Stohldreier aus Schirmitz. Ein besonderer Gruß galt den Gläubigen aus Pilmersreuth, die wieder zu Fuß nach Beidl gepilgert waren. Damit haben sie eine über 300-jährige Tradition fortgeführt.

Den Festgottesdienst umrahmte der Kirchenchor mit einer lateinischen Messe, dem "Ave Verum" und dem Chorsatz von Gotthilf Fischer "Groß ist dein Name". An der Orgel war Christa Schwägerl, der Beidler Werner Fritsch half als Dirigent aus.

In seiner Predigt nahm Pfarrer Thomas Stohldreier Bezug auf den Patron der Bauern und Tierhalter. Eine Episode aus seiner eigenen Kindheit unterstrich die Tierliebe: Als Stohldreier als Dreijähriger mit seiner Mutter einen Bauernhof besuchte, schloss er eine Kuh so ins Herz, dass er immer wieder zu ihr in den Stall schlich. Er setzte sich sogar auf die liegende Kuh, bis die Mutter dem Spiel aus Sorge um das Kind ein Ende setzte. So stellte der Prediger die Verbindung zum Heiligen Leonhard her, der 490 in Frankreich geboren wurde. Der gut Ausgebildete sollte nach dem Wunsch des Königs Clodwig Bischof werden, doch Leonhard lehnte das Amt ab. Er kümmerte sich lieber um Gefangene und half ihnen, sich aus den Ketten der Gefängnisse zu befreien. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das Symbol der Gefangenenkette immer mehr zur Viehkette, der heilige zum Patron der Bauern und Tierhalter.

Stohldreier betonte, dass der Heilige ein gottbezogenes Leben allen weltlichen Reichtümern vorgezogen habe. Ein Zuviel an irdischen Genüssen raube den Kern und Mittelpunkt des Lebens. Heute gelte der Mensch vor allem etwas, wenn er von vielen Reisen und Erlebnissen berichten könne. "Zum Leben in Fülle aber ist die Verbindung zu Gott die richtige und entscheidende Antwort."

Die Frage, was dabei die Kirche zu bieten habe, beantwortete Stohldreier mit dem aktuellen Bemühen des Papstes, den Dialog in Gang zu bringen, um die Kirche attraktiv zu machen. Und wie der Heilige Leonhard stelle der Papst heute die Frage: "Wie viel Geld und Besitz brauchen wir eigentlich zum Leben?" Die Menschen seien heute gefordert, gerade angesichts der Flüchtlingsströme über den Tellerrand zu schauen, und sich einzusetzen für mehr Gerechtigkeit auch gegenüber diesen Menschen. "Der Heilige Leonhard regt uns an, das richtige Maß zu finden, gerecht und barmherzig zu sein."

Pater Joy dankte dem Kirchenchor für die Gestaltung des Gottesdienstes und dem Prediger für sein Mitwirken. Der stellvertretende Sprecher des Pfarrgemeinderates, Michael Vollath, übergab einen kleinen Geschenkkorb an Pfarrer Stohldreier.
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