Festnahme auch in Bayern - Verdacht auf Planung von Anschlägen [Aktualisierung]
Rechte Terrorgruppe zerschlagen

Ein Ermittler trägt in Augsburg Beweismittel aus der Wohnung eines der Mitgliedschaft in einer rechten Terrorgruppe verdächtigen Mannes. (Bild: dpa)
Karlsruhe/Augsburg. (dpa) Sie bezeichnen sich als Gleichgesinnte, die die deutsche Kultur leben. Doch die «Oldschool Society» plante offenbar auch Attentate. Nun ist die Bundesanwaltschaft gegen die Gruppe vorgegangen.

Mit Razzien in Bayern und anderen Bundesländern haben Spezialeinheiten der Polizei eine bisher unbekannte rechtsextreme Terrorgruppe zerschlagen. Die Bundesanwaltschaft ließ am Mittwoch vier Verdächtige festnehmen. Die drei Männer und eine Frau sollen gemeinsam mit anderen die rechtsterroristische Vereinigung «Oldschool Society» (OSS) gegründet, sich Sprengstoff verschafft sowie Anschläge auf Islamisten, Moscheen und Asylbewerberheime geplant haben.

Verdächtige aus Landkreis Deggendorf und Raum Mühldorf

Zwei der Beschuldigten, ein 56-jähriger und ein 39-jähriger, sollen Rädelsführer der Gruppe gewesen sein. Nach einem Bericht von «Spiegel Online» fungierte der 56-Jährige aus Augsburg als «Präsident» der Terrorgruppe. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, stammen auch die anderen beiden Männer aus Bayern: Zwei Männer aus dem Landkreis Deggendorf und dem Raum Mühldorf seien gefasst worden.

Außerdem ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen fünf weitere Beschuldigte, deren Wohnungen ebenfalls durchsucht wurden. Festgenommen wurden sie zunächst aber nicht. An dem Einsatz in Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern waren etwa 250 Polizeibeamte aus Bund und Ländern beteiligt.

"Große Sprengkraft"

Die vier verhafteten Verdächtigen sind deutsche Staatsbürger. Sie hatten sich Sprengmittel besorgt, erklärte die Bundesanwaltschaft. Bei einer Durchsuchung wurden pyrotechnische Gegenstände «mit großer Sprengkraft» sowie weitere Beweismittel sichergestellt. Waffen waren Sicherheitskreisen zufolge nicht dabei.

Auf ihrer Facebook-Seite bezeichnet die OSS sich als «eine Verbindung gleichgesinnter Menschen die, die deutsche Kultur und ihre Werte leben». Fotos auf der Seite zeigen Demonstrationen aus dem rechten Spektrum.

Die Gruppe soll spätestens seit November 2014 bestehen. Damals hätten sich neun Rechtsextremisten im sächsischen Frohburg südlich von Leipzig zu einer Gründungsveranstaltung getroffen.

Im Laufe der Überwachung haben sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen Erkenntnisse verdichtet, dass die Rechtsextremisten durchaus in der Lage gewesen seien, ihre Ziele umzusetzen, hieß es weiter. Inwieweit die vier konkrete Anschlagsziele oder Termine für Anschläge ins Auge gefasst hatten, war zunächst offen. Dies muss die Bundesanwaltschaft noch ermitteln.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, möglicherweise sei die Bildung einer Organisation nach dem Vorbild des NSU verhindert worden. Der rechtsextreme «Nationalsozialistische Untergrund» hatte mit einer jahrelang unentdeckten Mordserie Deutschland erschüttert. Der Minister sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung, lobte aber zugleich den «bedeutenden Ermittlungserfolg».

Ausgangspunkt für die Ermittlungen waren Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Die Festgenommenen sollten am Mittwoch und am Donnerstag dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden, der über die Anordnung von Untersuchungshaft entscheidet.
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