Feuer in Asylbewerberunterkunft
«Hier ist es nicht mehr sicher»

Diler: Sven Hoppe/dpa
 

In der Oberpfalz brennt in der Nacht eine Asylbewerberunterkunft. Ein Bewohner bemerkt den Rauch, alarmiert die Feuerwehr, weckt die Mitbewohner und rettet so ihr Leben. Die Polizei kann weder fahrlässige Brandstiftung noch einen Brandanschlag ausschließen.

Neustadt/WN. (dpa) Schaig hat Angst. Nicht um sich, aber um seine beiden kleinen Kinder. Der 31-Jährige aus Aserbaidschan lebt in der Asylbewerberunterkunft im oberpfälzischen Neustadt an der Waldnaab, in der nur wenige Stunden zuvor ein Feuer ausgebrochen war. Die Polizei hat die Zimmer der Bewohner wieder freigegeben, nur der Aufenthaltsraum der ehemaligen Gaststätte ist noch versiegelt. Hier untersuchen noch immer Experten der Polizei den Brandherd. Noch steht nicht fest, ob es ein fremdenfeindlicher Brandanschlag oder eine fahrlässige Brandstiftung war.

«Ich habe Angst, dass so etwas noch einmal passiert», sagt Schaig. Sein fast zwei Jahre alter Sohn Saim steht neben ihm, fummelt an einem Schokoriegel. Der Kleine hat von dem Feuer nicht viel mitbekommen. Sein Vater hat ihn und den acht Monate alten Bruder mitten in der Nacht geweckt und durch das verrauchte Treppenhaus ins Freie getragen - gerade noch rechtzeitig.

Auch Rupert Troppmann ist völlig konsterniert. «Ich bin erschrocken, auch weil wir seit Jahren Asylbewerber beherbergen. Es hat immer ein gutes Miteinander gegeben», sagt der CSU-Bürgermeister von Neustadt an der Waldnaab.

Er weiß: Nur mit viel Glück ist am Freitag eine Katastrophe verhindert worden. Ein Bewohner bemerkt gegen 3:20 Uhr Rauch in dem Gebäude, in dem insgesamt 19 Menschen, darunter drei Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren leben. Er alarmiert die Einsatzkräfte, weckt die Mitbewohner bevor der tödliche Rauch sie erreicht.

Beim Eintreffen der Feuerwehr, nur wenige Minuten später, stehen die erschrockenen Menschen vor der ehemaligen Gaststätte, in der seit zwei Jahren Asylbewerber leben. Ob ihnen bewusst ist, wie knapp sie mit dem Leben davongekommen sind, sagen sie nicht. Sie werden von Mitarbeitern der Kirche und Freiwilligen aus dem Ort betreut.


In der Stadt mit knapp 6000 Einwohnern gibt es derzeit sechs dezentrale Unterkünfte für Flüchtlinge. Etwa 100 Asylbewerber warten auf eine Entscheidung ihres Antrags, in einer Notunterkunft sind 120 Flüchtlinge untergebracht.

«Es hat viele glückliche Umstände gegeben. Der Zeuge hat den Rauch früh bemerkt und die Mitbewohner eindeutig gerettet. Zudem hat nur das Mobiliar geglimmt», sagt Polizeisprecher Michael Rebele. Der Asylbewerber habe angegeben, dass zwei Männer aus dem Fenster im Erdgeschoss geflüchtet waren. Eine dritte Person soll vor dem Gebäude gewartet haben. Einer trug einen Kapuzenpulli.

Rebele betont, dass die Polizei in alle Richtungen ermittelt. Eindeutige Einbruchspuren wie eingeschlagene Fenster oder eine eingetretene Tür sind nicht zu sehen. Es gibt auch keine fremdenfeindlichen Schmierereien an der Fassade.

Während die Experten mit der Spurensuche in der Unterkunft beschäftigt sind, kommt ein weiterer Zeuge und gibt an, dass er zum Tatzeitpunkt ein verdächtiges Fahrzeug vor der Gaststätte gesehen hat. «Ich habe meinen Sohn etwa um 3:15 Uhr von der Nachtschicht abgeholt. Dann haben wir das Auto am Straßenrand vor dem Haus gesehen», sagt Alois Schuh. Vor etwa drei Wochen hatte Schuh eine Anzeige erstattet, weil Unbekannte auf der Motorhaube seines Autos ein Hakenkreuz geschmiert hatten. Die Polizei bestätigt die Anzeige.


Bürgermeister Troppmann will von Neonazis in seiner Stadt nichts wissen. «Mir ist von einer rechten Szene in Neustadt nichts bekannt», betont er. Auch der örtlichen Kriminalpolizei liegen keine Erkenntnisse vor.

Die Familie Bruner, die seit 38 Jahren ein italienisches Restaurant gegenüber der Gaststätte betreibt, beschreibt die Asylbewerber als freundlich. «Wir sehen die Menschen aus der Unterkunft jeden Tag. Sie grüßen höflich und sind nett», sagt Fabio Bruner. Ärger habe es nie gegeben. Seine Mutter Maria berichtet aber von Gästen, die sich über die vielen Flüchtlinge ärgern. «Sie beklagen sich über die umfangreiche Unterstützung, die die Asylbewerber bekommen.»

Die schrecklichen Erlebnisse der Nacht werden die Bewohner der Unterkunft noch lange beschäftigen. Dodo aus dem Kongo will nach der Brandnacht nur noch weg. «Hier ist es nicht mehr sicher. Aber wo soll ich hin?», sagt er auf Englisch.