Fieberhafte Suche nach Täter

Blumen und Kerzen wurden in Gedenken an den getöteten 20 Jahre alten afrikanischen Asylbewerber vor dem Gebäude der sächsischen Landesvertretung abgelegt. Bild: dpa

In einer Dresdner Plattenbausiedlung wird ein toter Asylbewerber gefunden. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es zunächst nicht - sagt die Polizei. Die Obduktion ergibt etwas anderes. In Dresden, der Stadt der Pegida-Bewegung, schlagen die Wellen hoch.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 20-jährigen Asylbewerbers in Dresden wächst der Druck auf die Polizei. Auch angesichts der von den wöchentlichen Demonstrationen angeheizten Stimmung in der Stadt forderten Politiker eine rasche Klärung. Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll räumte nach Angaben der Grünen im Innenausschuss des sächsischen Landtags eine anfängliche Fehleinschätzung der Todesursache ein.

Die Leiche des jungen Mannes aus dem nordostafrikanischen Eritrea war am Dienstag vor einem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Die Polizei hatte zunächst keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt. Erst die Obduktion ergab, dass der Mann durch Messerstiche in Hals und Brust getötet worden war. "Der Fall muss nun unverzüglich aufgeklärt werden, damit wir wissen, wie es zustande gekommen ist, was passiert ist, und wer es gewesen ist", meinte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Parteikollegin Albrecht Pallas mahnte zur Besonnenheit: "Spekulationen - in welche Richtung auch immer - helfen nicht weiter."

Polizeipräsident Kroll habe gesagt, dass ein Notarzt noch am Fundort der Leiche zu dem Schluss gekommen sei, dass es sich um einen offenen Schlüsselbeinbruch handele, hieß es nach der Innenausschusssitzung. "Die Messerstiche waren zunächst nicht erkennbar gewesen", sagte auch Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Die Polizei habe dennoch sofort eine Obduktion angeordnet.

Mögliche Strafvereitelung?

Der Grünen-Politiker Volker Beck erstattete Strafanzeige gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. "Erst nach der Obduktion des Opfers räumt die Polizei ein Fremdverschulden ein und schickt erst 30 Stunden nach der Tat die Spurensicherung an den vermeintlichen Tatort", erzählte Beck der "Dresdner Morgenpost".

Laut Haase laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Hinweise auf Täter und Umstände des Verbrechens gebe es aber noch nicht.
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