Filmen im Gewusel

Wer momentan über den Münchener Viktualienmarkt schlendert, kann sich 2016 als unfreiwilliger Statist in der fünften Staffel von "München 7" wiederfinden. Auf dem belebten Marktplatz dreht Kult-Regisseur Franz Xaver Bogner ("Irgendwie und sowieso") sechs neue Folgen seiner Erfolgsserie.

"Wir wollen nicht stören, wir gehen weiter, sagen sie alle", beschreibt Andreas Giebel die Dreharbeiten im Getümmel von Kunden und Touristen auf dem Viktualienmarkt. Er spielt in der Serie "München 7" den Polizisten Xaver Bartl und fühlt sich trotz der Hektik völlig ungestört beim Drehen. "Die meisten Menschen, die vorbeigehen und die auch wissen, was wir hier machen, sind sehr kooperativ und machen mit, indem sie wegschauen."

Gewusel nicht schlimm

"Das ist eine große Besonderheit, dass wir hier in der Innenstadt arbeiten dürfen", erzählt Elmar Jaeger. Er ist der verantwortliche Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Es herrsche zwar viel Chaos., aber Bogner liebt dieses Gewusel. "Vor kurzem hatten sich die beiden Marktkauffrauen, gespielt von Christine Neubauer und Monika Gruber, mit Rikscha-Fahrern angelegt. Die Touristenführer haben die Zufahrten zum Viktualienmarkt blockiert." Natürlich laut Drehbuch. Ein andermal ermittelten Bartl und sein Kollege Felix Kandler (Florian Karlheim) bei einer nächtlichen Stadtführung.

"Solche Geschichten aus dem echten Leben und natürlich auch die vier Hauptdarsteller sind die Garanten, dass unsere Serie bei den Leuten so gut ankommt." Wir dürfen dabei sein, wenn Elfi Pollinger, gespielt von Christine Neubauer, und der Polizist Bartl über dessen plötzliches Faible für Fastfood-Kost diskutieren. Es wird viel geprobt und ein paarmal gedreht. Es dauert schon einige Minuten, ehe diese kurze Szene im Kasten ist. Warten und immer wieder warten gehören zum Alltag am Set.

Reibereien zwischen Schauspielern und Regisseur gibt es "natürlich nicht", erklärt uns Bogner. "Wenn, dann nur handlungsbezogene." Christine Neubauer, alias Marktfrau Elfi Pollinger, über das ständige Gezanke mit ihrer Kollegin Monika Gruber, die in der Serie Moni Riemerschmidt spielt: "Man spielt meistens das, was man nicht ist. Die lustigsten Schauspieler sind oft die größten Grantler."

Figuren weiterentwickelt

Am Set herrscht, wie gesagt, eine gesunde Vertrautheit. Oder, wie es Kabarettistin Monika Gruber formuliert: "In der Familie streitet man mehr." Natürlich haben sich die Figuren in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, verrät Andreas Griebel. "Wäre das nicht so, könnte man ja gleich Micky-Maus-Heftchen zeichnen."

Was wir hier zwischen den Verkaufsbuden, zwischen Biergärten, Obst- und Gemüseauslagen aus sicherem Abstand beobachten dürfen, sind die Eröffnungsszenen für eine Geschichte, die relativ nah am Puls der Zeit ist. "Wir sind hier im Bereich der Flüchtlingsproblematik", erklärt uns Bogner, der auch Autor der Serie ist. Es gehe um drei engagierte Marktfrauen, die sich um das Schicksal eines Jungen annehmen, der mit dem Bus nach München gekommen ist."

Sehr berührend

"Für mich sehr berührend", beschreibt Neubauer die Flüchtlingsepisode. Warum, weiß Bogner: "Weil er von anderen Polizisten gejagt wird, die versuchen, ihn ins Irrenhaus zu bringen." Bis der Junge gerettet wird, vergehen zwei Folgen. Das Drehbuch hat Bogner natürlich schon vor Monaten geschrieben.

"Was die Tragik angeht, hat die aktuelle Wirklichkeit die Geschichte zwar nicht überholt. Ich glaube aber kaum, dass es jemanden gibt, der damals an diese Realität geglaubt hat, wie sie sich jetzt darstellt." "Das sprengt doch jeden Vorstellungsrahmen, was da momentan passiert. Aber ich meine weit weniger, dass es so gekommen ist. Sondern ich meine die Tatsache, wie manche darauf reagieren. So wie sich Ungarn in der Flüchtlingsfrage verhalten hat, hätte das keiner erwartet", sagt Bogner.
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