Finanzbeamter ermordet: Steuerberater gesteht

Mit drei Schüssen soll er einen Rendsburger Finanzbeamten niedergestreckt haben. Vor Gericht legt der angeklagte Steuerberater ein Geständnis ab. An die Tat will er keinerlei Erinnerung haben.

Rund ein halbes Jahr nach den tödlichen Schüssen auf einen Finanzamt-Abteilungsleiter hat der angeklagte Steuerberater vor dem Kieler Landgericht ein Geständnis abgelegt. "Ich habe den Mann offensichtlich erschossen", sagte der im Rollstuhl sitzende 55-Jährige am Mittwoch zum Prozessauftakt.

Er könne sich an die Tat im Rendsburger Finanzamt aber nicht erinnern, weil er an jenem Morgen unter dem Einfluss starker Medikamente gestanden habe. Das Ganze sei weder geplant gewesen, noch mit Arglist geschehen. Angeklagt ist der Mann wegen Mordes. Der Sachgebietsleiter hatte den Steuerberater am 1. September 2014 zu einem "Klimagespräch" ins Büro eingeladen. Dort wurde der 57-Jährige von drei Kugeln getroffen, er starb später im Krankenhaus. In den Tagen vor dem Gespräch sei er zutiefst aufgewühlt gewesen, weil wichtige Klienten auf Druck des Finanzamts abzuspringen drohten. Das spätere Opfer habe ihn noch freundlich auf dem Flur begrüßt - "dann weiß ich nichts mehr". Als er im Büro des Opfers wieder zu sich gekommen sei, habe der Mann am Boden gelegen. Die Waffe habe er in der Hand gehalten, sagte der Angeklagte. Dann sei ihm bewusstgeworden, was passiert sein müsse. Seine Pistole vom Typ Beretta will der Besitzer eines Jagdscheins unabsichtlich mitgenommen haben.

Vor der Tat hatte der Steuerberater laut Gericht an seine Frau geschrieben: "Ich werde diesem Drama ein Ende setzen. Er wird keine Chance haben, davonzukommen." Er selbst werde wohl das Gefängnis vor seinem Tod nicht verlassen. "Der Finanzbeamte ist wirklich ein böser Mensch und hat es verdient."

Der Angeklagte räumte andauernde Spannungen zwischen ihm und dem Finanzamt ein. "Seit 20 Jahren versuche ich, als schwerbehinderter Steuerberater durchzukommen." Die Behörde habe ihn gegenüber Mandaten schlechtgemacht und diese vergrault. Es habe Repressalien der Behörde gegeben.
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