Fitness-Annis schöne Welt

Wyandotten, Grünleger, Italiener, Sussex und braune Legehühner: Dominik Eckert hält nichts von Hühnerrassismus, auf seinem Hof leben alle Arten friedlich zusammen. Bild: juh
 
Die Küken brauchen eine ausgewogene Ernährung. Dominik Eckert füttert sie mit gequetschtem Mais, Hafer, Weizen, Proteinen und Salat. Bild: juh

Es gibt sie, die Welt der glücklichen Hühner, völlig abseits von Skandal-Unternehmen wie Bayern-Ei. König Konrad der Nachhaltige, Fitness-Anni und Henriette von Fortschau: So heißen ganz besondere Tiere, die auf dem Hof von Dominik Eckert zu Hause sind. Eine tierisch originelle Geschichte.

Rund 55 Hühner und zwei Gockel leben auf dem Hof von Dominik Eckert in Oberbibrach (Kreis Neustadt/WN). Auf etwa 1000 Quadratmeter "haben sie dort ihre Ruhe und leben glücklich vor sich hin", erzählt er. Neben den Ställen steht ein weißes, altes Bauernhaus - es ist nicht mehr bewohnt. Stolz schreitet Gockel Hans-Hermann über die Erde, die zum Teil mit Stroh bedeckt ist. "Das Haus wurde 1929 erbaut. Ich bin hier auf dem Bauernhof aufgewachsen. Eigentlich hatten wir schon immer Tiere. Damals noch mehr. Wir hatten Schweine, Hasen, Enten und natürlich Hühner. Ich denke, ich brauche das einfach."

Frische Eier nach Hause

Doch es sind keine gewöhnlichen Hühner. Für sie können Patenschaften übernommen werden. "Unsere Hühner sind auf unserer Website von ,My lucky Ei' (Link zur Internetseite) zu finden. Dort können sich Interessierte eins aussuchen", erklärt der 32-Jährige. Es gibt verschiedenste Arten, unter anderem Grünleger, Italiener, Sussex, die ursprünglich aus England stammen, Silberhälse, braune Legehühner oder Deutsche Reichshühner. Für 11,99 Euro pro Monat kann man sich stolz Pate von "Kikeri-Keira" nennen. Dazu kommt eine monatliche Lieferung von elf frischen Eiern - und das direkt nach Hause.

Ein Stück Heimat

Seit Dezember 2013 ist "My lucky Ei" auf dem Markt. Die Idee kam Eckert während seines Lehramt-Studiums". "Ich habe mein Referendariat in München und Amberg gemacht. Jedes Wochenende bin ich Heim gefahren und habe von dort Eier mitgenommen." Für Eckert bedeuteten die Eier ein Stück Heimat. "Ich habe jeden Tag eins gegessen. Einmal habe ich welche mit in die Schule genommen, und auch die anderen Lehrer fanden sie toll." Nach seinem Referendariat kehrte er zurück in seine Heimat Oberbibrach. Dort erzählte er Stephan Schneider, einem Freund, von den positiven Erfahrungen. Nach kurzer Zeit war das Konzept "My lucky Ei" geboren.

"Was viele nicht wissen, ,lucky' kommt ursprünglich nicht vom englischen Wort für glücklich. Der Hof, in dem meine Hühner untergebracht sind, gehört meinem Onkel Ludwig, Spitzname Lucky", erklärt Eckert und lacht. Somit habe der Name eine doppelte Bedeutung. "Natürlich sind auch unsere Hühner glücklich." Es dauerte nicht lange, bis die ersten Patenschaften geschlossen wurden. "Bekannte von uns haben das mitbekommen und sofort abonniert", erklärt Eckert, der sich in der Rolle als "Mann für die Hühner" sieht. Schneider kümmert sich um die Zahlen und tritt als Geschäftsführer auf. Die Dritte im Bund ist Anja Merkl. Sie organisiert die Kundenbetreuung. "Mittlerweile haben wir fünf Stadl. Der Lucky-Stadl und das Forsthaus Hühnerau in Oberbibrach. Dann gibt es noch den Schouster-Stadl, den Berg-Stadl und den Stadl zum Kulmblick." Demnächst soll ein sechster folgen. "Die Mitglieder von ,My lucky Ei' sind alles interessierte Hühnerhalter, alles Menschen, die etwas für die Natur übrig haben." Genauso wie Dominik Eckert. Auch Katzen sind auf dem Hof zu Hause, "aber die Hosen haben eindeutig die Hühner an", sagt er und lacht mit Blick auf Gockel Hans-Hermann.

"Natürlich wachsen einem die Tiere ans Herz. Wir achten darauf, dass es ihnen gut geht." Eckert selbst betreibt eine Naturbrut, aber auch Hühner einer Brutzucht von einem Züchter, der selbst bei "My lucky Ei" beteiligt ist, lassen sich auf seinem Hof finden. "Grundsätzlich ist die Entwicklung bei Naturbrut und Brutzucht ähnlich. Mir ist nur aufgefallen, dass die Tiere, die ihre Mutter in der Nähe haben, abends schon im Stall sind, während die Brutzucht-Jungtiere noch draußen rumlaufen. Sie haben nie gelernt, auf ihre Mutter zu hören, weil sie sie nie bei sich hatten."

In einem kleinen, mit grünem Netz umzäunten Bereich sind die Küken mit den Glucken untergebracht. Stroh bedeckt den Boden, in der Mitte steht ein großer Wasserbehälter. Es sei wichtig, dass immer frisches Stroh ausgestreut werde, so dass die Tiere damit spielen können. "Ich muss die Küken von den ausgewachsenen Hühnern trennen, da sie sonst nicht genug Nahrung erwischen würden. Beim Fressen wird keine Rücksicht genommen." Zudem bekommen die Jungtiere eine besonders ausgewogene Nahrung: gequetschter Mais, Hafer, Weizen, Gerste, Proteine, und Salat - "der schmeckt ihnen immer am besten".


Ein Klick auf das Bild führt zu den Kameras.

Über zwei fest installierte Kameras können Interessierte das bunte Treiben auf dem Hof ständig auf der Website beobachten - Paten genau verfolgen, was ihr "Schützling" gerade macht. Eckert: "Aktuell haben wir zwischen 60 und 80 Abonnenten." Partnerschaften können für einen bestimmten Zeitraum, aber auch auf Lebenszeit abgeschlossen werden. Gemeint ist natürlich die des Huhns. "Sie werden zwischen drei und fünf Jahre alt. So lange können sie aber keine Eier legen." Danach werden sie aber nicht geschlachtet, sie leben weiter auf dem Hof, "bis sie irgendwann aus natürlichen Gründen umfallen."

Reines Hobby

Pro Tag sammelt Eckert rund 15 Eier ein. Diese werden in extra angefertigten Schachteln aus naturnahem Material und durch Stroh und Sägespäne gepolstert an die Paten verschickt. "Dabei haben wir weniger als ein Prozent Verlustrate." Der Arbeitsaufwand sei überschaubar, betont der 32-Jährige. Rund eine halbe Stunde nehme es pro Tag in Anspruch. "Am Wochenende können da schon mal schnell zwei Stunden anfallen, wenn man alles saubermachen muss." Für Eckert und seine Geschäftspartner ist "My lucky Ei" ein reines Hobby, wie er betont. "Leben können wir davon nicht." Zum einen hätten sie hohe Anschaffungskosten für die Kameras und auch die Nahrung für die Tiere gehabt, zum anderen würde ein Großteil der 11,99 Euro für den Versand der Päckchen ausgegeben.
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