Fitnesskur für ein Kraftpaket

Ein Blick auf die Turbinengiganten in der riesigen Maschinenhalle: Das Pumpspeicherkraftwerk Reisach ist ein Schwerpunkt der viermonatigen Revisionsarbeiten in der Kraftwerksgruppe Pfreimd. Bild: Götz

Hinter dem äußeren Charme der 50er Jahre steckt ein Powerpaket. Es wäre in der Lage, eine Stadt - dreimal so groß wie Weiden - mit Strom zu versorgen. Damit sich die Kraftwerksgruppe Pfreimd auf dem Markt behaupten kann, investiert GDF Suez zehn Millionen Euro in ein "Fitnessprogramm".

Trausnitz. (cv) Die "große Revision" ist angelaufen. Die Werke gehen für vier Monate vom Netz. Sie wurden 1951 bis 1962 ins reizvolle Pfreimdtal gebaut. Was in den Anfängen unter Kraftwerksgruppe Jansen firmierte, ging im Jahr 2009 auf die GDF Suez über: Die Kraftwerksgruppe Pfreimd umfasst vier Pumpspeicher- und drei Laufwasser-Maschinensätze. Ausbauleistung insgesamt: 132 MW, das sind 132 Millionen Watt. Die Gruppe verfügt unter den beiden Pumpspeicherkraftwerken Reisach und Tanzmühle über zwei Unterbecken: Den Kainzmühl- und den Trausnitzspeicher. Als gemeinsames Oberbecken dient der Hochspeicher Rabenleite mit einem Fassungsvermögen von stattlichen 1,5 Millionen Kubikmetern. Zur "Wasserschüssel" führt eine kilometerlange Tunnelanlage.

Neues Geschäftsmodell

Das Prinzip ist einfacher als die Technik. Wasser wird aus den Speichern hochgepumpt, dann zur Stromerzeugung abgelassen. Allerdings hat man sich von verlässlichen Peak-Zeiten verabschieden müssen. Flexibilisierung ist gefragt, seit sich das Kraftwerk nach der Einspeisung von Strom aus Sonne und Wind richten muss. "100 Megawatt können in 30 Sekunden bis einer Minute hochgefahren werden", so Kraftwerksleiter Joachim Morsch. "Wir arbeiten jetzt am Regelleistungsmarkt", beschreibt er das neue Geschäftsmodell. Jeden Dienstag wird Strom angeboten. Bekommt Trausnitz den Zuschlag, muss eine gewisse Leistung erfüllt werden. Da ist eine verlässliche Anlage Voraussetzung. Nach 20 Jahren ist jetzt eine Generalüberholung fällig. Vier Monate ist das Werk "stromlos".

Eine wirtschaftliche Einbuße, aber unabdingbar, sind die Arbeiten doch auch mit Leistungssteigerungen - beispielsweise acht Prozent durch neue Turbinenlaufräder - verbunden. Kraftwerksleiter Joachim Morsch und der Projektleiter Revision, Dr. Cornel Ensslin, skizzieren das Maßnahmenpaket: Neben der baulichen Instandsetzung der unterirdischen Druckstollen und des Hochspeichers werden mechanische, elektrotechnische und leittechnische Anlagenkomponenten in den Kraftwerken Reisach und Tanzmühle auf den neuesten Stand gebracht.

"Wir können speichern"

"Als sekundengenauer, flexibler Stromspeicher leistet das Pumpspeicherkraftwerk Reisach einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Netzes und damit auch zur Energiewende" unterstreicht Kraftwerksleiter Morsch. Er bedauert: "Wir partizipieren nicht von den Subventionen wie die erneuerbaren Energien, obwohl Speicherelemente unabdingbar sind. Und wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten speichern. Ich glaube an unsere Anlage und dass sie mittelfristig ihren Platz im Markt erhalten wird".

50 zusätzliche Arbeiter, auch aus der Oberpfalz, unterstützen die Kraftwerksmannschaft bei der Revision. Bereits Ende März wurde das Wasser im Hochspeicher Rabenleite komplett abgelassen. Leer ist nun auch das kilometerlange Druckstollensystem. Es wird genauso instand gesetzt wie das Einlaufbauwerk am Hochspeicher. Die Böschungsfläche, knapp 50 000 Quadratmeter, erhält eine neue Schutzschicht aus Asphaltbeton. Erneuert werden auch Teile der Kraftwerksleittechnik, einer der hochbelasteten Generatoren sowie eine Vielzahl weiterer Verschleißteile der vier Pumpspeichersätze.

Schutz vor Hochwasser

Die letzte Investition in die Anlage hatte GDF Suez im Jahr 2013 vorgenommen. Sie war mit einem technisch anspruchsvollen Umbau der Pumpspeichersätze verbunden. Seitdem kann die Anlage gleichzeitig im Pump- und Turbinenbetrieb arbeiten und unvorhergesehene Schwankungen im Stromnetz kurzfristig ausgleichen. Das traditionsreiche Kraftwerk, das seit 60 Jahren zuverlässig Strom speichert, trägt auch wesentlich zum Hochwasserschutz bei - bis in das Stadtgebiet Pfreimd.
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