Flaggenwechsel auf Prager Burg

Als Schornsteinfeger verkleidet hissten die Aktionskünstler der Gruppe "Ztohoven" eine riesige rote Unterhose auf der Prager Burg. Der Sprecher des Hausherren, Tschechiens Premier Milos Zeman reagierte auf den Protest humorlos. Anders im Netz, wo es viele positive Reaktionen gab. Für die Künstler dürfte die Aktion ein juristisches Nachspiel haben. Bild: dpa

Wann immer der tschechische Präsident in seiner Heimat ist, weht über seinem Amtssitz seine Standarte mit den Wappen von Böhmen, Mähren und Schlesien sowie dem Leitspruch: "Die Wahrheit siegt". Am Wochenende zierte jedoch eine ganz andere Flagge die Prager Burg.

Anarcho-Künstler der Gruppe "Ztohoven" (deutsch etwa: "Raus aus dem Dreck") holten in einer Blitzaktion die Flagge ein und tauschten sie gegen eine überdimensionale rote Unterhose aus. Die Künstler wollten damit ihren wachsenden Unmut über Amtsinhaber Milos Zeman ausdrücken, "der sich für gar nichts mehr schämt", wie sie erklärten.

Petr Zirka, einer der "Provokateure" sagte, man achte die Prager Burg und habe nicht die Absicht gehabt, dieses Symbol der tschechischen Staatlichkeit in den Schmutz zu ziehen. "Aber Milos Zeman geht uns mächtig auf den Senkel." 25 Jahre nach der Revolution reproduziere der Präsident ein Verhalten, wie es unter den Kommunisten üblich gewesen sei.

"Er macht sich gemein mit Diktatoren, rückt das Land immer näher an das Russland Putins und legitimiert die Führung in China, indem er jüngst an der monströsen Militärparade in Peking teilnahm." Die Unterhose stehe zudem für die plebejische Anzugsordnung und Verhaltensweise Zemans.

Angst vor Schornsteinfegern

Bei der Aktion am helllichten Tage, die einige klettertechnische Fähigkeiten erforderte, trugen die Künstler bewusst Monturen von Schornsteinfegern. Sie erinnerten damit an die Hysterie derzeit in Tschechien gegenüber Flüchtlingen. Bei der Polizei war vergangene Woche ein Schornsteinfeger mit Putzwerkzeug über der Schulter als mutmaßlicher "bewaffneter Terrorist" angezeigt worden.

Die Kritiker des tschechischen Präsidenten feixten vor allem in den sozialen Medien über die Aktion, zumal die Burgwache nichts davon bemerkt hatte und erst einschritt, als das große rote Wäschestück schon weithin sichtbar im Prager Herbstwind flatterte. Drei Künstler wurden festgenommen. Ihnen drohen nun hohe Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft.

"Ztohoven" hat in der Vergangenheit wiederholt mit solchen und ähnlichen Aktionen für Furore gesorgt. So tauschten die Anarcho-Künstler Dutzende Prager Ampelmännchen gegen witzige Figuren aus, die auf der Straße urinierten oder den Hund Gassi führten. Mit der Veröffentlichung der geheimen Telefonnummern von Spitzenpolitikern lösten sie gezielt unzählige Hass-SMS gegen selbige aus.

Besonders spektakulär war ihre erste Aktion, bei der sie sich in das laufende Fernsehprogramm einhackten und den Anschein erweckten, über dem Riesengebirge explodiere eine Atombombe. Nach jeder Aktion folgten langwierige juristische Auseinandersetzungen, in denen es um die Frage ging, was Kunst dürfe und was nicht.

Zeman-Sprecher: Faschistoid

Im aktuellen Fall zeigte sich der Sprecher des Präsidenten ausgesprochen humorlos. Das letzte Mal, so twitterte er, sei die Staatsflagge von den Nazis eingeholt und ausgetauscht worden. Dies zeuge davon, dass sich die Zeman-Gegner immer "faschistoider" gebärdeten.
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