Fleischkonsum soll riskant sein - Metzger und Mediziner sind skeptisch
Vorsorge statt Verzicht

Schaut appetitlich aus. Aber nach einer Einschätzung von Forschern erhöht regelmäßiger Verzehr von Fleisch das Krebsrisiko. Die Metzgerinnung sieht das naturgemäß anders. Bild: dpa
Weiden/Weiherhammer. (fku/ske) Hat die Wurst doch ein Ende? Regelmäßiger Verzehr soll das Darmkrebsrisiko erhöhen, melden Forscher. Die Metzger der Region haben daran natürlich ihre Zweifel. Aber auch Mediziner betonen, dass es keinen Grund zu übertriebener Sorge gibt. Viel wichtiger sei etwas anderes.

Roland Braun hat gerade zu Mittag gegessen. Salat und Sellerieschnitzel. Vegetarisch dürfe bei ihm auch gerne mal sein, sagt der Obermeister der Metzger-Innung. Aber generell sei ihm der Appetit auf Fleisch natürlich nicht vergangen. Auch wenn die Internationale Krebsforschungsagentur zu der Einschätzung gekommen ist, dass regelmäßiger Konsum von verarbeitetem Fleisch das Darmkrebsrisiko erhöhe (wir berichteten). Rotes Fleisch sei wahrscheinlich ebenfalls gefährlich, heißt es noch. Braun hat daran seine Zweifel.

"Die Bevölkerung bei uns ist so alt wie nie - so schlecht kann die Ernährung nicht sein", sagt er. Er bleibe deshalb "ein Fleischpflanzerl". Ähnlich sähen es auch seine Kunden. In seiner Metzgerei in Weiherhammer habe ihn jedenfalls noch keiner auf die Ergebnisse der Agentur angesprochen. Dabei leugnet Braun nicht, dass übertriebener Fleischkonsum schlecht sei. "Das ist ein alter Hut." Denn natürlich könne sich niemand beispielsweise nur von Leberkassemmeln ernähren. So wie niemand ausschließlich mit Blumenkohl glücklich werden könne. Nichts zu einseitig, das sei ihm wichtig. Kalbsschnitzel und Sellerieschnitzel eben. Sein Credo laute daher auch: Die Leute sollten statt in Massen lieber in vernünftigen Mengen kaufen - und dabei auf regionale Qualität achten.

Zur Darmspiegelung

Von einem anderen Standpunkt aus betrachtet das Thema Professor Dr. Karl-Heinz Dietl. Der Chefarzt der Weidener Klinik für Allgemein-, Thorax- und Visceralchirurgie kommt aber zu einem ähnlichen Ergebnis: Es sei zwar sicher aus ökologischer Sicht sinnvoll, den Konsum von Rindfleisch einzuschränken. Aber auf Fleisch als Nahrungsmittel verzichten, beeinflusse "das Krebsrisiko, insbesondere das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, absolut nicht". Ohnehin: "Es gibt keinen Beleg, dass Fleisch das Risiko, an Krebs zu erkranken, signifikant erhöht."

Viel wichtiger sei etwas anderes für die Gesundheit: "regelmäßig und frühzeitig zur Darmspiegelung zu gehen. Diese Untersuchung ist die beste Methode, eine Erkrankung zu erkennen und damit rechtzeitig dagegen anzugehen", sagt Dietl. Dafür sprächen einige Daten: In der Bundesrepublik nutzten bislang nur zwölf Prozent der Bevölkerung die Vorsorge-Darmspiegelung. Dennoch sei es dadurch gelungen, die Zahl der Erkrankungen in den vergangenen 15 Jahren von 80 000 Neuerkrankungen jährlich auf 62 000 zu senken.

Sein Appell lautet daher: "Regelmäßig zur Darmspiegelung!" Und das gilt für alle - egal ob sie Fleisch essen oder nicht.
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