Fliegen nur mit Sonnenenergie

Start ins Ungewisse: Die Strecke über den Pazifik gilt wegen der Länge und den Wetterbedingungen als besonders schwierig. Bild: dpa

Immer weiter über den Pazifik: Der Schweizer Sonnenflieger begibt sich auf die schwierigste und längste Etappe seiner 35 000 Kilometer langen Weltumrundung. Pilot Borschberg ist für den Notfall gerüstet.

Richtung Hawaii startete Abenteurer André Borschberg (62) mit seiner Maschine "Solar Impulse 2" in Nanjing im Osten Chinas. Für den Flug von 8172 Kilometern über den Pazifik sind sechs Tage und fünf Nächte - rund 130 Stunden - eingeplant. So weit ist noch kein Solarflugzeug an einem Stück geflogen. Die vorherigen Etappen der Reise hatten nie länger als 20 Stunden gedauert. Das Flugzeug mit den riesigen Flügeln und einem nur 3,8 Kubikmeter kleinen Cockpit wird ausschließlich von Sonnenenergie angetrieben. In China musste Borschberg fast sechs Wochen auf gutes Wetter für den Flug nach Hawaii warten.

Toilette an Bord

Dem Piloten gehe es gut, hieß im Kurznachrichtendienst Twitter. Nach zwölfstündigem Flug hatte er Südkorea erreicht und trug wegen der Höhe eine Sauerstoffmaske. Zeitweise musste "Solar Impulse 2" aufgrund vieler Wolken sogar rückwärts fliegen. "Ich werde jeden Tag höher steigen", berichtete Borschberg der Deutschen Presse-Agentur vor seinem Abflug. Mit Yoga-Techniken und Gymnastik im Liegen wollte sich der 62-Jährige in dem Cockpit fit und wach halten: Er kann maximal 20 Minuten am Stück schlafen. An Bord des leichten Experimentalfliegers gibt es sogar eine Toilette.

Borschberg und der Luftfahrtpionier Bertrand Piccard (57) wollen mit dem Projekt die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufzeigen. Auf den zwölf Etappen ihrer Weltreise wechseln sich die Schweizer Piloten im Cockpit ab. Die nächste Etappe von Hawaii an die amerikanische Westküste soll dann Piccard übernehmen. Das Projekt war mehr als zwölf Jahre geplant worden. Der Flug begann am 9. März in den Vereinigten Arabischen Emiraten und führte mit Zwischenstopps in Oman, Indien und Myanmar nach China. Die Maschine soll zum Ende hin auch den Atlantik in vier Tagen überqueren. Insgesamt soll das Flugzeug 35 000 Kilometer zurücklegen.

Für Notfall Rettungsboot

Angetrieben wird das einsitzige Karbonfaser-Flugzeug von vier Elektromotoren. 17 000 Solarzellen zapfen der Sonne die Energie ab. Die Zellen sitzen auf den Flügeln mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet. Gespeichert wird die Solarenergie in Lithium-Batterien. Auf einen eventuellen Notfall bei der Pazifik-Überquerung hat sich Borschberg intensiv vorbereitet: "Wenn alles schief läuft, kann ich immer noch mit dem Fallschirm, einem Rettungsboot und Versorgungsgütern abspringen."
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