Flüchtlingsamts-Chef Weise gibt Probleme bei Asylbearbeitung zu
Ohne Arbeit und Orientierung

Die Bearbeitung von Asylanträgen dauert nach Aussage von Flüchtlingsamts-Chef Frank-Jürgen Weise noch immer viel zu lange. "Die Aufgabe, die wir haben, läuft noch nicht gut", sagte Weise am Montag beim Besuch eines Qualifizierungszentrums für neue Behördenmitarbeiter in Nürnberg. "Das Schlimmste ist, dass die Menschen warten müssen, keine Arbeit und keine Orientierung haben", sagte der Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Als Ursachen nannte Weise "die unerwartet große Zahl der Menschen, die zu uns kommen". In dieser Dimension habe damit niemand gerechnet und auch nicht mit der "fehlenden Solidarität in Europa". Die Arbeit des BAMF sei damit ein "Massengeschäft" geworden; und weder die Arbeitsprozesse der Behörden noch die Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen seien gut. "Und das arbeiten wir jetzt auf. Das ist eigentlich auch gar nicht so schwierig, aber es dauert Zeit."

Einer der wichtigsten Faktoren, um die Asylverfahren zu beschleunigen, sei die Aufstockung des Personals. Ziel sei, die Mitarbeiterzahl des BAMF von derzeit rund 3000 bis spätestens Ende 2016 auf 7300 zu erhöhen, wovon 1000 Stellen befristet sein sollen. Die Zahl der Asyl-Entscheider soll von derzeit 660 auf 1700 erhöht werden. "Das ist die Zielgröße, die heute im Haushalt steht und hoffentlich genehmigt wird", sagte Weise. Wenn die Flüchtlingszahlen in etwa konstant bleiben, werde man mit dieser Mitarbeiterzahl die Lage in den Griff bekommen. Ziel sei, die durchschnittliche Asylverfahrensdauer im nächsten Jahr auf weniger als 5 Monate zu senken. Derzeit sind es 5,2 Monate.

Die Abarbeitung der rund 300 000 Altfälle dagegen werde noch länger dauern, sagte Weise. "Das abzubauen ist dringend notwendig. Und ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Jahr schon einen großen Beitrag leisten können. Aber das geht wegen der nicht guten Organisation, die wir vorgefunden haben, bis ins nächste Jahr hinein." Im Anfang August gestarteten Qualifizierungszentrum in Nürnberg wurden nach Angaben von Leiterin Elisabeth Alescio bislang etwa 1500 neue Mitarbeiter für das BAMF geschult.
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