Flüchtlingsheime in Franken in Flammen

Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft.

In Franken brennen Häuser, die für Asylbewerber vorbereitet waren, in Dresden mobilisiert eine Anti-Islam-Bewegung Tausende. Die Politik zeigt sich in Sorge und fordert ein energisches Eintreten gegen rechts.

Kurz vor Ankunft der Bewohner haben vermutlich Rechtsextreme in drei Flüchtlingsunterkünften im fränkischen Vorra Feuer gelegt. Eine Fassade beschmierten sie in der Nacht zum Freitag mit Hakenkreuzen und der - fehlerbehafteten - Parole "Kein Asylat in Vorra". "Es war auf jeden Fall eine vorsätzliche Tat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Indizien deuteten auf einen rechtsextremen Hintergrund hin. Herrmann sagte: "Wo Menschen ausländerfeindlich unterwegs sind, müssen wir uns dem klar entgegenstellen."

Nun ermittelt der Staatsschutz. Eine 20-köpfige Sonderkommission soll die Täter aufspüren, es wurde eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. In die Gebäude im Ortskern - ein ehemaliger Gasthof, ein Wohnhaus und eine Scheune - sollten in den kommenden Wochen Asylbewerber einziehen. Sie sind nun unbewohnbar. Bei dem Brand entstand auch wegen der Rauchentwicklung ein Schaden von rund 700 000 Euro. "Es ist unerträglich, wenn Asylbewerberheime geschändet werden", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Nürnberg. "Jeder, der zu uns kommt, hat ein Recht, anständig behandelt zu werden", betonte sie. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) betonte: "Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft." Er kündigte einen besseren Schutz für derartige Gebäude an. "Die Menschen in Bayern lassen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung, die aus dieser Tat sprechen, nicht beirren."

Die Innenminister von Bund und Ländern warnten zum Abschluss ihrer Herbsttagung in Köln vor zunehmender islam- und ausländerfeindlicher Hetze. "Wir spüren schon, dass das gesellschaftliche Klima in Deutschland rauer wird", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) angesichts des Zulaufs für die Anti-Islam-Bewegung "Pegida". Viele Menschen seien in Sorge, und "Pegida" missbrauche das.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki äußerte sich kritisch zu antiislamischen Bewegungen wie "Hooligans gegen Salafisten" oder "Patrioten Europas gegen Islamisierung des Abendlandes" (Pegida). "Solche ,Retter des Abendlandes' brauchen wir nicht", sagte er am Freitag. "Andererseits haben militante Salafisten in einem pluralen Rechtsstaat nichts zu suchen." (Kommentar und Seite 8)
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