Flüchtlingskrise fordert erstes politisches Opfer

Manfred Schmidt, der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, reichte seinen Rücktritt ein. Bild: dpa

Nach massiven Problemen in seiner Behörde ist der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, zurückgetreten. Innenminister Thomas de Maizière dagegen will im Amt bleiben. Die Flüchtlinge drängen jetzt nach Kroatien.

Die Flüchtlingskrise entwickelt sich zu einer immer größeren Belastungsprobe für Europa. Nach Deutschland und Österreich kündigte am Donnerstag auch Slowenien die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder kommen am nächsten Mittwoch zu einem Flüchtlings-Sondergipfel zusammen. Das teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk mit.

De Maizière: Kein Rücktritt

Während die Menschen immer neue Fluchtrouten suchen, nahm in Deutschland der erste Verantwortliche seinen Hut. Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, trat "aus persönlichen Gründen" zurück. Er war in die Kritik geraten, nachdem sich bei seiner Behörde ein enormer Stau unbearbeiteter Asylanträgen gebildet hatte. Zehntausende von Neuankömmlingen konnten noch nicht einmal einen Antrag stellen. Schmidt hatte Ende August eingeräumt, sein Amt habe den großen Andrang nicht vorausgesehen. Ein Nachfolger soll bald benannt werden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lehnt trotz Kritik an seiner Amtsführung in der Flüchtlingskrise einen Rücktritt ab. "Nein, ich arbeite", sagte de Maizière bei einem Besuch der Bundespolizei in Rosenheim.

Kroatien überfordert

Nach der Abriegelung der ungarischen Grenze drängten Tausende Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Westen in das EU-Mitgliedsland Kroatien. Nachdem Ungarn am Dienstag die Grenze zu Serbien dichtgemacht hatte, trafen bis zum Donnerstag nach Angaben des kroatischen Innenministeriums 7300 Menschen ein. Das sind deutlich mehr, als von der Regierung erwartet worden waren. Kroatiens Gesundheitsminister Sinisa Varga rechnet mit weiteren 20 000 Flüchtlingen innerhalb der nächsten zwei Wochen.

Im ostkroatischen Grenzort Tovarnik kam es am Donnerstag zu Gedränge und Spannungen mit der Polizei. Außenministerin Vesna Pusic warnte, ihr Land könne nicht so viele Flüchtlinge aufnehmen: "Wenn es Tausende sind, schaffen wir das, aber Zehntausende - dafür haben wir nicht die Kapazitäten."

Niederbayern stöhnt

Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr auf der Strecke Stuttgart-München-Salzburg und weiter bis nach Budapest "bis auf weiteres" in beiden Richtungen ein. Grund seien die durch die Grenzkontrollen verursachten Verspätungen. Unter den in Österreich wartenden Flüchtlingen hat sich inzwischen offenbar herumgesprochen, dass die Grenzkontrollen keine Sperrung der Grenze bedeuten - die Polizei lässt Flüchtlinge nach wie vor auch ohne gültige Papiere durch.

Am Dienstag passierten nach Angaben der Bundespolizei 6000 Flüchtlinge die Grenze nach Bayern, am Mittwoch waren es 9000. Der Trend gehe weiter nach oben. Schwerpunkte sind Passau und Freilassing. In Passau ist auch das Foyer der Dreiländerhalle als Notunterkunft für 500 Flüchtlinge hergerichtet worden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.