Fluggesellschaften verschärfen weltweit Cockpit-Regeln nach Germanwings-Absturz
Airlines in Sorge

Der Schock über den Germanwings-Absturz sitzt tief. Die Airlines sind in Sorge, dass Passagiere das Vertrauen ins Fliegen verlieren. Bild: dpa

Der Schock über den Germanwings-Absturz sitzt tief. Die Airlines sind in Sorge, dass Passagiere das Vertrauen ins Fliegen verlieren. Spontan ändern viele ihre Sicherheitsbestimmungen.

Berlin. (dpa) Weltweit verschärfen Fluggesellschaften nach der Germanwings-Katastrophe ihre Regeln für die Besetzung im Cockpit. Sie wollen keine Piloten mehr allein im Cockpit erlauben. Bei dem Unglück in den französischen Alpen soll nach Erkenntnissen der Ermittler der Pilot ausgesperrt gewesen sein und der Copilot das Flugzeug auf Crashkurs gesteuert haben. Unmittelbar danach setzte eine heftige Diskussion in Politik und Luftfahrtbranche über eine Änderung der Cockpit-Besetzung ein. Sicherheitsexperten warnen jedoch davor, von dem «Vier-Augen-Prinzip» zu viel zu erwarten.

Viele Airlines und Flugsicherheitsbehörden in Europa, aber auch in Australien und Neuseeland kündigten am Freitag eine Neuregelung an oder sie wollen die Bestimmungen für die Cockpit-Besetzung überprüfen. In der Regel sind die Airlines bislang nicht verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass sich immer mehr als ein Besatzungsmitglied im Cockpit aufhält. In den USA, aber auch in Europa wird das aber schon teilweise so praktiziert.

Für die deutschen Airlines kündigte Matthias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), an, dass am Freitag die neue Zwei-Personen-Regelung mit dem Luftfahrt-Bundesamt besprochen werden sollte. Als Konsequenz aus dem Absturz hätten sich die BDL-Mitglieds-Airlines darauf verständigt, dass sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten soll, hatte von Randow der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Die Regelung werde nur vorläufig eingeführt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) begrüßte die Ankündigung. «Das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit ist eine richtige Überlegung», sagte er am Freitag der dpa.

Von Randow hatte am Donnerstag in der ZDF-Sendung «maybrit illner» allerdings gewarnt, in puncto Sicherheit seien «Schnellschüsse das Falscheste, was man machen kann». Airlines wie Air Berlin und Condor kündigten an, dass die Neuregelung bereits von Freitag an gelte.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte am Abend in der ARD, man habe mit allen anderen großen deutschen Airlines entschieden, am Freitag mit den Behörden zu überlegen, «ob es kurzfristig Maßnahmen geben kann, die die Sicherheit noch weiter erhöhen». Germanwings-Chef Thomas Winkelmann erklärte im ZDF: «Mir stellt sich die Frage, wenn ein Mensch mit solcher Energie einen kriminellen Akt begehen will, ob das dann zu verhindern ist, wenn beispielsweise eine Flugbegleiterin oder ein Flugbegleiter im Cockpit ist.»

In Großbritannien ändern die meisten Airlines ihre Regeln nach einer Empfehlung der Flugsicherheitsbehörde. Bei den Fluggesellschaften Virgin Atlantic, Easyjet, Monarch und Thomas Cook muss sich künftig ein Mitglied der Kabinen-Besatzung im Cockpit aufhalten, wenn einer der Piloten seinen Platz verlässt. Bei den Billigfliegern Jet2 und Flybe sowie dem irischen Billiganbieter Ryanair sei es schon Standard. British Airways wollte sich zunächst nicht äußern.

Von der großen europäischen Airline Air France hieß es, man verfolge aufmerksam Entwicklung und Ergebnisse der juristischen und technischen Untersuchungen. Die Frage der Anwesenheit einer zweiten Person im Cockpit sei ein wichtiges Thema.

Auch Air Baltic, Norwegian und Air Canada führen nach eigenen Angaben die Zwei-Personen-Regel ein. Bei der tschechischen Fluglinie Czech Airlines (CSA) und der tschechischen Charterfluggesellschaft Travel Service gilt die Vier-Augen-Regel bereits.

Auch Australien überprüft die Regeln. Die Regierung habe von den Fluglinien Information zu den Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AAP. Neuseeland führt die Zwei-Personen-Regel ab sofort ein, teilte die dortige Zivil-Luftfahrtbehörde (CAA) mit.
Der ehemalige Sicherheitschef der polnischen Fluggesellschaft LOT, Jerzy Dziewulski, äußerte sich skeptisch. Flugbegleiter könnten während der Abwesenheit eines der Piloten nichts machen, um eine Katastrophe zu verhindern, sagte er im Sender TVN 24. «Der Pilot in der Kabine sagt: Setz dich, fass nichts an, du hast keine Ahnung. Ich bin derjenige, der die Maschine steuert.»