Forscher fordern Rad-Notbremse

Hier ist es nur eine Crash-Test-Puppe: Die wachsende Zahl der getöteten Radfahrer bei Kollisionen mit Autos ist jedoch beunruhigend. Bild: dpa

Was für Fußgänger gut ist, sollte Radfahrern doch auch helfen. Bei Unfällen mit Autos aber gilt das nicht: Eine Studie zeigt, was die Auto-Industrie tun muss, um schwere Kopfverletzungen bei Radlern zu vermeiden.

Innerhalb von zehn Jahren ist der Anteil der getöteten Radfahrer in Deutschland deutlich gestiegen. Während der Anteil der ums Leben gekommenen Autofahrer von 2004 bis 2014 von 55 auf 47 Prozent fiel, ging dieser Wert bei den Radlern von 8 auf 12 Prozent hoch - gemessen an allen Todesopfern im Straßenverkehr. Zum Vergleich: Bei den Fußgängern stieg dieser Wert nur von 14 auf 15 Prozent. Insgesamt ging die Zahl der Verkehrstoten aber zurück: 2014 waren es 3377, 2004 noch 5842.

Für den Wissenschaftler Siegfried Brockmann sind diese Zahlen der amtlichen Statistik Grund genug, die Ursachen genauer zu beleuchten. Der Unfallgegner Auto ist für Radfahrer in Deutschland die größte Gefahr: In etwas mehr als 35 Prozent der Fälle sind Zusammenstöße mit Autos Grund für einen getöteten Radler. Dann folgt mit 26 Prozent der Radfahrer selbst, wenn er ohne Einwirkung Dritter stürzt.

Die Auto-Industrie hat in der Vergangenheit einiges für den Schutz von Fußgängern getan. Die Ingenieure haben geprüft, wie passiver Unfallschutz helfen kann. Passiv bedeutet hier: Der Unfall ist passiert, wie kann die Technik die Folgen abmildern? Autofahrer werden von Sicherheitsgurten und Airbags geschützt. Für Fußgänger wurden sich aufrichtende Motorhauben und Außen-Airbags erfunden. Mit ihnen soll ein zu harter Aufprall aufs Blech und die Frontscheibe verhindert werden.

Airbags hier gefährlich

Brockmann hat mit Hilfe von mehr als 1000 Simulationen und der Auswertung von Unfallberichten eine Studie erstellt. "Das Ergebnis zeigt jetzt auf, dass dies alles Radfahrern nicht hilft. Ganz im Gegenteil, in Einzelfällen ist die Wirkung sogar kontraproduktiv", sagt Brockmann bei der Vorstellung der Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) am Dienstag in Münster.

Nach seiner Erkenntnis nützt nur etwas, was sich in Autos wohl erst in den nächsten Jahrzehnten durchsetzen wird: ein Notbremsassistent, der einen nahenden Radfahrer erkennt und die Geschwindigkeit des Autos im Bruchteil einer Sekunde automatisch drosselt. Für Fußgänger gibt es diese Technik bereits vereinzelt.

"Eine Reduktion der Aufprallgeschwindigkeit um 20 Stundenkilometer reduziert das Risiko einer schweren Kopfverletzung bei Erwachsenen und Kindern am stärksten. Und das gilt für alle Fahrzeugfronten", sagt der UDV-Leiter. Wegen der geringeren Körpergröße ist das Risiko bei Kindern geringer. Sie prallen meist mit dem Kopf auf die nachgebende Motorhaube - und nicht auf die nicht nachgebende Frontscheibe.
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