Frage christlicher Identität

Bischof Rudolf Voderholzer. Bild: paa

Bischof Rudolf Voderholzer sieht sich als erfolgreiches Beispiel für Integration. Seine Familie musste nach dem Zweiten Weltkrieg fliehen. Damals wurden zwölf Millionen Menschen aufgenommen. Daraus schöpft er Mut, dass es gelingt, die Tausenden, die nun kommen, aufzunehmen.

Zwei Millionen Euro hat das Bistum Regensburg für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. Eine Million Euro investiert die Caritas in die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge und in die Asylsozialberatung. Eine Million Euro fließt in den Flüchtlingsfonds der Diözese. Mit diesem Geld wird das "außerordentliche ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien" unterstützt. Wie viele Gläubige sich insgesamt für Flüchtlinge engagieren, konnte Bischof Rudolf Voderholzer am Donnerstagabend beim Medienempfang seines Bistums in Regensburg nicht sagen. "Wir haben keinen Überblick. Aber das, was wir wissen, ist schon beeindruckend." Zudem bereite die Diözese ein Wohnungsbauprogramm vor. "Wir werden die nicht vergessen, die es bereits jetzt schwer haben", machte Voderholzer deutlich. Dazu zählt er ärmere Bevölkerungsgruppen, etwa Familien, aber auch Studenten.

Wegen des Flüchtlingsansturms erhalte er viele Briefe, aus denen eine "existenzielle Daseinsangst" spreche, sagte der Oberhirte. Manche würden gar befürchten, dass ihre Häuser beschlagnahmt würden. Diese Sorgen müssen ernst genommen werden. Zugleich warb der Bischof erneut für die Aufnahme der Flüchtlinge. Diese kämen als Opfer, nicht als Invasoren, wie einst die Osmanen.

Eingangs wies er auf sein Schicksal als Kind einer Flüchtlingsfamilie hin und bezeichnete sich als Beispiel für eine geglückte Integrationsgeschichte. Nach dem Krieg seien zwölf Millionen Flüchtlinge erfolgreich aufgenommen worden. Er betonte, er wisse, dass man das nicht ganz vergleichen könne, weil diese dieselbe Sprache und im weitesten Sinne die gleiche Kultur gehabt hätten. Gleichwohl ließ er erkennen, dass er daraus Mut schöpft, um die Flüchtlinge jetzt aufzunehmen Sorgen bereiten Voderholzer weniger die muslimischen Neuankömmlinge als die verbreitete Glaubensferne hierzulande. Der jüngste verkaufsoffene Sonntag in Regensburg sei mit einer "religiösen Inbrunst gefeiert worden, dass ich mich abgrundtief geschämt habe". Voderholzer fragte, ob die Menschen, die nach Deutschland kommen, erkennen könnten, was "uns heilig ist". Er beklagte die Lauheit in Glaubensfragen. Die "zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland ist der ADAC - ,heiliges Blechle'- nach dem DFB" (Deutscher Fußballbund). Der Bischof betonte, der Jahres- und Wochenrhythmus, die Feiertage - alles sei christlich geprägt.

Kirchentürme nicht Banken

Es gelte, klar zu machen, dass "die wichtigsten Türme bei uns die Kirchentürme und nicht die Bankentürme sind". "Wenn wir nicht sagen, was uns heilig ist, dann bekommen wir gesagt, was heilig ist", betonte Voderholzer. "Die Muslime kommen mit einem großen religiösen Ernst und erwarten diesen auch von uns", sagte der Bischof und betonte: "Nur wer eine stabile Identität hat, kann auch andere integrieren. Wer keine Identität hat, wird integriert."
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