Frage nach Versäumnissen

An der Absturzstelle ist ein Teil der Bergungsarbeiten eingestellt worden. Doch viele Fragen bleiben. Gab es Versäumnisse im Umgang mit dem Germanwings-Copiloten? Das Luftfahrtbundesamt jedenfalls wusste bis zur Katastrophe nichts von einer Depression.

Vor dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten wusste das Luftfahrtbundesamt (LBA) nach eigener Darstellung nichts über die medizinische Vorgeschichte des Copiloten. Man sei vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nicht "über die abgeklungene schwere Depressionsphase" bei Andreas L. informiert worden, teilte die Aufsichtsbehörde der "Welt am Sonntag" mit.

Daraufhin wies die Lufthansa den Verdacht zurück, Informationen zurückgehalten zu haben: Das Unternehmen komme seinen Informationspflichten gegenüber dem LBA nach, betonte ein Sprecher der Germanwings-Mutter. Die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle in den französischen Alpen konzentrieren sich inzwischen auf die Habseligkeiten der Opfer. Andere Arbeiten wurden weitgehend eingestellt.

Keinerlei Informationen

Das Luftfahrtbundesamt hatte nach eigenen Angaben bis zur Akteneinsicht beim Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nach dem Absturz "keinerlei Informationen" über die medizinischen Hintergründe bei Andreas L. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine EU-Verordnung berichtete, müssen Flugmediziner in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA als Aufsichtsbehörde einschalten - allerdings gelte dies erst seit April 2013.

L. hatte 2009 als Flugschüler seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert, wie die Germanwings-Mutter vor einer Woche einräumte. Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung unterzog sich der Copilot nach Informationen der "Welt am Sonntag" noch zwei Tauglichkeitsprüfungen - im Sommer 2013 und im Jahr 2014. Die Lufthansa wollte sich auch auf Anfrage der dpa nicht näher zu diesen Prüfungen und dem Zeitungsbericht äußern. Am Montag erklärte die Lufthansa jedoch, seit einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2011 lägen zwar tatsächlich "geänderte Informations- und Verweisungspflichten bei einigen medizinischen Sachverhalten an das Luftfahrtbundesamt" vor. Allerdings gebe es "für bestimmte Tauglichkeitszeugnisse für Piloten und Zeugnisse flugmedizinischer Sachverständiger Bestandsschutz".

Wie das Bundesamt mitteilte, wurde in Andreas L.'s Fall das Flugtauglichkeitszeugnis 2009 vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa in Frankfurt ausgestellt und dem LBA übermittelt. "Dieses Vorgehen entsprach der Rechtslage", erklärte das LBA. Bei der Katastrophe vom 24. März besaß L. nach früheren Lufthansa-Angaben "ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1".

Arztpraxen durchsucht

Nach Informationen des "Spiegel" durchsuchten Ermittler in der vergangenen Woche mehrere Arztpraxen, die der Copilot konsultiert haben soll. Andreas L. suchte demnach sowohl Fachärzte für Neurologie als auch Fachärzte für Psychiatrie auf. Der 27-Jährige wird verdächtigt, den Kapitän des Fluges 4U9525 ausgesperrt und die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht zu haben. Am Osterwochenende trafen erneut Angehörige der Opfer in der Unglücksregion ein. Die Präfektur berichtete von rund 50 Verwandten und Bekannten. Polizei und Gendarmerie sicherten weiter die Absturzstelle.

Auf Fehlersuche

Nachdem es bei einer anderen Germanwings-Maschine zu einem Zwischenfall gekommen war, beschäftigten sich Experten weiter mit der Fehlersuche. Die Inspektion der Maschine, die am Samstag außerplanmäßig auf dem Stuttgarter Flughafen landete, dauerte nach Germanwings-Angaben vom Montag noch an. Die Instrumente im Cockpit des Airbus vom Typ A319 hatten einen Ölverlust angezeigt, ein Triebwerk wurde abgeschaltet. Der Kapitän entschied daraufhin, die Maschine in Stuttgart aufzusetzen.
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