Frankfurt.
Die Aufreger aus 30 Jahren "Lindenstraße"

(epd) 8. Dezember 1985: Die erste Folge der "Lindenstraße" mit dem Titel "Herzlich willkommen" wird ausgestrahlt. Zum Auftakt sieht man unter anderem die Familie Beimer, wie sie sich zur vorweihnachtlichen Hausmusik versammelt. Der Cliffhanger am Ende der Folge ist in die deutsche Fernsehgeschichte eingegangen: Tochter Marion Beimer steht um Mitternacht mit blutendem Gesicht in der Tür - und dann setzt der Abspann ein. Erst in der nächsten Folge erfährt man, dass sie mit ihrem Freund in eine Schlägerei mit türkischen Jugendlichen geraten war.

9. Oktober 1988: Nachdem der CSU-Politiker Peter Gauweiler gefordert hat, das Bundesseuchengesetz auf Aids-Kranke anzuwenden, sagt die Serienfigur Chris Barnsteg: "Gauweiler und Co. - das sind doch alles Faschisten!" Gauweiler reagiert mit einer Strafanzeige. Daraufhin erhebt 1990 die Kölner Staatsanwaltschaft tatsächlich Anklage wegen Beleidigung. Das Verfahren endet jedoch in allen drei Instanzen mit Freisprüchen. Die "Lindenstraße" stehe als künstlerisches Produkt unter besonderem Schutz, hieß es.

25. März 1990: Die Serienfiguren Carsten Flöter und Robert Engel küssen sich leidenschaftlich. Für damalige Verhältnisse ein Skandal, der einen Aufschrei in der Boulevardpresse auslöst. Der Darsteller des Carsten Flöter, Georg Uecker, erhält im echten Leben sogar Morddrohungen. Das Bayerische Fernsehen sendet damals die Wiederholung der Folge nicht, was dem Sender den Vorwurf der Zensur einbringt.

31. Januar 2010: Die Serienfigur Jimi Stadler betreibt Politikerschelte: "Die Politik hilft uns auch nicht. Unsere Super-FDP: Die steckt's den Hoteliers und den Ärzten hinten und vorne rein. Aber wir vom Handwerk, wir sind die Dummen. Wahrscheinlich, weil wir nicht gespendet haben." Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhardt Müller-Sönksen, beschwert sich beim Sender und spricht von einer "einseitigen Parteinahme". Der WDR weist die Vorwürfe zurück und betont, dass die Figur nicht für die ARD spreche.

29. Januar 2012: Die Figuren Caro und Josi rufen zu einem Flashmob gegen den Klimawandel auf: So viele Menschen wie möglich sollen sich am 2. Februar in allen Lindenstraßen Deutschlands vor der Hausnummer 3 versammeln. Die Münchner Polizei hält die Aktion für bedenklich: Auch eine friedlich angedachte und legale Aktion könne schnell zur Party ausarten, die Polizeieinsätze zur Folge habe. Die Macher der "Lindenstraße" stellen daraufhin klar, dass es sich um einen Teil der Serienhandlung und nicht um einen realen Aufruf handle. In München bleibt die von der Polizei befürchtete Menschenansammlung aus.

17. August 2014: Unter den Bewohnern verbreitet sich das Gerücht, dass eine Moschee in der Lindenstraße gebaut werden soll. Dieser Handlungsstrang löst Kritik aus, vor allem in sozialen Netzwerken. "Moschee, alles rosarot und soooo tolerant", meckert ein Nutzer. Produzent Hans W. Geißendörfer erklärt: "Die Integration des Fremden ist ein Kernthema der 'Lindenstraße'." Bisher ist die Moschee nicht gebaut worden. Das islamische Gotteshaus werde aber verzögert kommen, kündigte Geißendörfer im Oktober an.
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