Franz Josef Strauß wäre 100 geworden
Verehrt und gehasst

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FJS
 

Die einen verehrten ihn, andere hassten ihn. Der CSU-Übervater Franz Josef Strauß wäre am 6. September 100 Jahre alt geworden. Der Hobby-Pilot gilt als Architekt des modernen Bayern.

München. (dpa) Beim Politischen Aschermittwoch in Passau trinken CSU-Anhänger noch heute ihr Bier aus Maßkrügen mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß. Und im Büro von Ministerpräsident Horst Seehofer steht eine Büste des 1988 gestorbenen CSU-Patriarchen. «FJS» blicke ihm bei der Arbeit immer über die Schulter, erzählt Seehofer gerne.

In seinen letzten Jahren brachte Strauß die Anti-Atom-Bewegung noch einmal massiv gegen sich auf. Im oberpfälzischen Wackersdorf wollte er eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage errichten. Vor dem Bauzaun kam es wiederholt zu gewalttätigen Ausschreitungen von Demonstranten und Polizei, Strauß ließ Hubschrauber über den Köpfen der Protestierer kreisen. Sein Nachfolger Max Streibl beerdigte das Projekt. Bei einer Hirschjagd brach Strauß am 1. Oktober 1988 nahe Regensburg bewusstlos zusammen. Nach einer Notoperation erlangte der 73-Jährige das Bewusstsein nicht wieder. Am 3. Oktober starb er.

Manche Zitate des CSU-Übervaters Franz Josef Strauß sind parteiintern noch geflügelte Worte. Anderes ist heute schwer vorstellbar - etwa die Beschimpfung von Zwischenrufern bei einer Wahlkampfrede.

Eine Auswahl:

Der Wurstvorrat des Hundes: «Solange die Liberalsozialisten an der Regierung sind, kann ich nur sagen: Eher legt sich ein Hund einen Salamivorrat an, als dass die eine einmal eingeführte Steuer wieder abschaffen.»
Über Politiker, die auf ihre Popularität schielen: «Everybody's darling is everybody's Depp.»
Das Grundprinzip einer überzeugenden Rede: «Man muss einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt.»
Über seinen SPD-Gegenspieler: «Helmut Schmidt und ich kennen uns sehr gut. Wenn er mich anredet "Alter Gauner" und ich sage "Alter Lump", so ist das durchaus eine von gegenseitiger Wertschätzung und realistischer Kennzeichnung getragene Formulierung.»
Strauß über Sozialismus und Kommunismus: «Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher.»
Über das Bundeskanzleramt: «Es ist reizvoller, in Alaska eine Ananasfarm zu errichten, als Bundeskanzler zu werden.»
Über den damaligen «Bayernkurier»-Chefredakteur Wilfried Scharnagl: «Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was er schreibt.»
Gegen den Zeitgeist: «In Bayern gehen die Uhren anders. Wenn in Bayern die Uhren wirklich anders gehen, dann haben wir, soweit die Politik es vermag, diesen Beitrag zur geistigen Führung unseres Landes geleistet, damit in Bayern die Uhren richtig gehen und nicht nach Zeitgeist jeweils verschieden eingestellt werden.»
Gegen die gleichgeschlechtliche Partnerschaft: «Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder.»
Gegen Helmut Kohl: «Der wird nie Kanzler werden. Der ist total unfähig; ihm fehlen alle charakterlichen, geistigen und politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles.»
Gegen Strauß-Gegner auf einer Wahlkundgebung: «Wenn's schon kein Hirn haben, dann halten Sie's Maul wenigstens. Dieses dämliche Gequatsche eines politisierenden Beatles. Sie Pilzkopf!»

Affären

Kein Spitzenpolitiker der Nachkriegszeit war in so viele Affären verwickelt wie Franz Josef Strauß.

Eine kleine Auswahl:

1962: «SPIEGEL»-AFFÄRE: Das Nachrichtenmagazin berichtet über geheime Pläne der Bundeswehr, die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Landesverrats. Strauß lässt den stellvertretenden Chefredakteur Conrad Ahlers in Spanien festnehmen und verliert deswegen später seinen Posten als Bundesverteidigungsminister. Das zementiert die jahrzehntelange Feindschaft zwischen Strauß und der «Spiegel»-Redaktion.

1966: LOCKHEED-AFFÄRE: Ende der 50er Jahre kauft Strauß als Verteidigungsminister 300 Lockheed Starfighter. Das Flugzeug ist technisch nicht ausgereift, so dass es als «fliegender Sarg» bekannt wird. 1966 gerät Strauß in Bestechungsverdacht; der Hersteller Lockheed soll in mehreren Ländern Schmiergeld bezahlt haben. Einen Beweis gibt es nicht. Bis zur Ausmusterung 1987 verliert die Bundeswehr 269 Starfighter, fast ein Drittel der insgesamt georderten über 900 Maschinen.

1976: HEUBL-AFFÄRE: In der Presse tauchen Einzelheiten eines «Dossiers» über den CSU-Politiker Franz Heubl auf, einen Gegenspieler des Parteichefs. Darin heißt es unter anderem, Heubl arbeite nur acht Stunden die Woche. Als Urheber gilt Strauß. Der verweigert vor einem Untersuchungsausschuss des Landtags die Aussage. 

1990: ZWICK-STEUERAFFÄRE: Eine Affäre, die erst nach dem Tod von Strauß ins Rollen kommt. Strauß ist seit den 60er Jahren mit «Bäderkönig» Eduard Zwick befreundet. Der macht Bad Füssing zum bekannten Kurort, zahlt jedoch ungern Steuern. Dennoch lassen die bayerischen Finanzbehörden Zwick jahrelang gewähren. Erst zwei Jahre nach dem Strauß-Tod wird Zwicks Steuerschuld 1990 auf über 70 Millionen Mark geschätzt. Der damalige Finanzminister Tandler gibt sich mit acht Millionen Nachzahlung zufrieden, was ihn später die Karriere kostet.


Weichenstellungen in der Ära Strauß

Als CSU-Chef und Ministerpräsident hat Franz Josef Strauß Bayern geprägt. Unter seiner Regie war die CSU  gesellschaftspolitisch konservativ, wollte aber wirtschafts- und technologiepolitisch an der Spitze des Fortschritts marschieren.

Wirtschaft und Verkehr:
Strauß beförderte die Umwandlung Bayerns vom Agrar- zum Industrieland, wobei er den Schwerpunkt auf Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Rüstungsbranche legte. Der CSU-Chef spielte in den 60er und 70er Jahren eine wichtige Rolle bei der Gründung des Airbus-Konzerns und der deutschen Beteiligung daran. Strauß setzte den Bau des neuen Münchner Flughafens durch, der 1992 - vier Jahre nach seinem Tod - in Betrieb ging und seither zum Wachstumsmotor für Oberbayern geworden ist.

Atomkraft:
Strauß war glühender Befürworter der Atomenergie und gab als Sonderminister in den 50er Jahren den Startschuss für den Bau der Atomkraftwerke in Deutschland. 1957 ging in Garching bei München ein wissenschaftlicher Versuchsreaktor in Betrieb, 1962 folgte in Unterfranken das «Versuchsatomkraftwerk Kahl am Main» als erstes kommerzielles AKW. Im oberpfälzischen Wackersdorf wollte Strauß eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage errichten lassen. Das Projekt wurde jedoch nach massiven Protesten nach seinem Tod fallengelassen.

Wissenschaft
In der Nachkriegszeit hatte Bayern lediglich drei Landesuniversitäten, heute sind es neun. Strauß war stets darauf bedacht, Forschungseinrichtungen nach Bayern zu holen. Im Einklang mit dem bundesweiten Ausbau der höheren Bildung ab den 60er Jahren wurden auch in Bayern während der Strauß-Ära neue staatliche Universitäten gegründet. Erste der neuen Landesuniversitäten war 1962 Regensburg, die jüngste ist die 1978 gegründete Uni Passau.


Noch heute haben manche Reden von Franz Josef Strauß Kultcharakter.

Eine Auswahl:

Franz Josef Strauß über Rot-Grün (1986)


F.J. Strauß teilt aus (Teil 1)


F. J. Strauß teilt aus (Teil 2)


F.J. Strauß teilt aus (Teil 3)


F.J. Strauß Auszüge aus Reden


Schlagwort #FJS

Unter dem Schlagwort #FJS kursieren im Internet (nicht immer ernst gemeinte) Geburtstagsglückwünsche.

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