"Frau sein und weiterkommen"

Im Studium erfolgreiche Frauen haben gute Chancen, auch im späteren Berufsleben zu reüssieren und so für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft zu sorgen. Die OTH hilft ihnen dabei.

Amberg/Weiden.(tt)"Ich wollte immer Frau sein - und trotzdem weiterkommen", meint Professorin Christiane Hellbach mit einem ironisch betonten "Trotzdem", denn ihren Weg im Beruf zu gehen und Frau zu sein, sind für die Hochschulfrauenbeauftragte selbstverständlich kein Widerspruch. "Ich glaube auch nicht, dass man das Verhalten von Männern nachahmen muss, um erfolgreich zu sein", sagt sie.

Die Hochschule kennt die Bedürfnisse junger Frauen und bestärkt sie, auch vor vermeintlichen Männerdomänen keine Scheu zu haben. Das scheint auch der hohe Frauenanteil an der OTH zu bestätigen. Fast 30 Prozent der Studierenden sind an der eher von technischen Studiengängen geprägten Hochschule weiblich, ein hoher Wert in Bayern.

Nach Neigungen studieren

Eine junge Frau, die an der OTH den Weg zur Ingenieurin beschreitet, ist Laura Weber aus Weiden. Die 30-Jährige pendelt nach Amberg. Dort studiert sie im siebten Semester "Erneuerbare Energien". "Wir Frauen sind schon deutlich in der Unterzahl", stellt sie fest. Und natürlich war ihr schon vor dem Studium klar, dass sie im technischen Studienfach auf deutlich mehr Männer als Frauen treffen würde: "Das war aber für mich nie ein Problem. Schon in der Realschule und später an der Fachoberschule waren Mathematik und Naturwissenschaften meine Lieblingsfächer. Das war für mich ausschlaggebend. Ich wollte ganz einfach nach meinen Neigungen studieren und habe das nie bereut. Ganz im Gegenteil, ich möchte jetzt hier in Amberg auch noch ein technisches Master-Studium anhängen." Dennoch studiert sie unter Rahmenbedingungen, die nicht typisch sind: Sie hat zwei Kinder, den dreizehnjährigen Luis und den erst sechsjährigen Theo. "Das erfordert schon Organisationsaufwand", gesteht die junge Mutter.

Studentinnen wie Laura Weber finden an der Hochschule mit ihren Fragen und Wünschen immer Gehör: "Die Studentinnen können mit ihren Belangen jederzeit auf das Zentrum für Gender und Diversity zukommen. Wir führen hier oft auch sehr persönliche Gespräche und helfen weiter, wo's geht", erklärt Stellvertretende Hochschulfrauenbeauftragte Gabriele Murry. Um die jungen Frauen zu unterstützen, wurden an der Hochschule aber auch ganz konkrete Angebote geschaffen. "Wir setzen dabei bereits in den Schulen an und wollen die Mädchen für technische Berufe begeistern." So gibt es zum Beispiel "Forscherinnen-Camps" für 15- bis 17-Jährige - mit Vorlesungen, Laborpraktika, Betriebserkundungen und Team-Building-Elementen wie etwa Klettern.

Mentoring-Programm

"Wir begleiten die Frauen dann später während ihrer ganzen Hochschulzeit mit auf sie zugeschnittenen Angeboten", betont Christiane Hellbach. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte Mentoring-Programme. Die Idee: Studentinnen aus höheren Semestern helfen jungen Frauen aus unteren Semestern. Hier bringt sich auch Laura Weber ein: "Ich bin Mentorin für eine Studentin, die an der OTH erst begonnen hat. Ich erkläre ihr Stoff, den sie nicht verstanden hat, und leihe ihr zum Beispiel Bücher aus", schildert sie den Kontakt. Laura Weber ist aber auch Mentee, wird also von einer Mentorin betreut. In ihrem Fall ist es eine Jung-Ingenieurin, die bereits im Beruf steht. Am Montag werden sie sich zum ersten Mal treffen. Sie wird Laura Weber Tipps zum Berufseinstieg geben und sicherlich auch den einen oder anderen Ratschlag von "Frau zu Frau".(Der 20. und letzte Beitrag in der Reihe zum OTH-Jubiläum erscheint am Mittwoch, 10. Dezember.)
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