Freiland-Aquarium und -Terrarium in Stein ist einen Ausflug wert - Möglichst naturnah
Natur pur direkt neben der Stadt

Die pure Natur. Inmitten der Anlage bietet ein wilder Teich den idealen Lebensraum für die Bewohner des Wassers. Bild: A. Ascherl
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Deutschland und die Welt
26.08.2011
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Unruhig schlängelt sich die Schlingnatter in ihrem Terrarium hin und her. "Die will in ihr Winterquartier", erläutert Günter Schirmer die hektische Aktivität des Reptils - und das schon Anfang August. Für das Tier scheint der Sommer bereits erledigt zu sein. Schirmer ist in der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg der für das Freiland- Aquarium und -Terrarium zuständige Obmann.

In Nürnberg und Umgebung kennt wohl jedes Kind und jede Familie die kleine, etwas versteckt gelegene Anlage in Stein, in der seit 1925 vor allem einheimische Fische, Frösche, Molche, Schlangen oder Schildkröten im Freiland zu bewundern sind. Damals war es eine richtige Modeerscheinung, Aquarien und Terrarien unter freiem Himmel einzurichten. Überlebt haben nur ganz wenige dieser Anlagen. Eine davon ist die in Stein. Die finanziert sich völlig durch Spenden, wie Günter Schirmer und Ehren-Obmann Wolfgang Pfeifenberger erzählen.

Alles passiert ehrenamtlich

Knapp 20 Freiwillige kümmern sich das ganze Jahr über um die Tiere, halten die Anlage in Schuss, bauen neu oder reparieren. Sie züchten Futtertiere, säubern die Terrarien und sorgen für ideale Bedingungen in den Aquarien. Und das alles aus Idealismus. "Unser Lohn ist es, wenn es den Menschen gefällt", sagen Schirmer und Pfeifenberger übereinstimmend. Aufgabe sei es seit Gründung der Anlage in Stein, den Menschen die heimische Flora und Fauna näherzubringen - und eben auch den Leuten, die über einen schmalen Geldbeutel verfügen. Ungerührt kauen derweil die Landschildkröten auf ihren Salatblättern herum, einen Laubfrosch kann es ohnehin nicht erschüttern, wenn ein paar Menschen sich die Nasen an der Terrarium-Scheibe platt drücken. Sie sind es ja gewohnt.
Nur die Ringelnatter verkriecht sich in der hintersten Ecke ihres Domizils. "Die fangen wir in jedem Jahr frisch, die mögen den Trubel nicht so", scherzt Günter Schirmer und erklärt, dass Ringelnatter tatsächlich sehr häufig in der "richtigen" Natur vorkommen und gerne in die Komposthaufen der Menschen ihre Eier legen. Der Verein fängt daher jedes Frühjahr ein paar frische Exemplare und setzt sie im Herbst wieder aus.

Obwohl direkt neben der Großstadt gelegen, herrscht in der Anlage herrliche Ruhe. Auch wenn sie nicht besonders groß ist, so lädt sie doch ein, hier länger zu bleiben, den Tieren zuzuschauen oder sich über die Heil- und Naturkräuter unserer Heimat zu informieren. Denn auch die sind hier ausgestellt sowie kurz und knapp erläutert. 35 000 bis 40 000 Besucher kommen im Jahr vorbei, da kann es an den üblichen Ausflugstagen schon einmal eng werden. "Wir könnten uns hier dumm und dappig verdienen", sagt Günter Schirmer.

Der Obmann ist im "richtigen" Leben Elektroingenieur, doch seit er in den 70er Jahren in den Verein eingetreten ist, hat er sich ein umfangreiches Wissen rund um die in der Landschaft ausgestellten Tiere erworben. Die Äskulapnatter zum Beispiel - sie besitzt ein Terrarium mit eigener Fußbodenheizung - kommt auch in Deutschland vor, obwohl sie eine typische Schlange aus dem Mittelmeerraum ist. Die Römer brachten das von ihnen sehr verehrte Tier einst mit an Rhein und Donau. In Folge gründeten sich kleine und räumlich beschränkte Populationen, die auch heute noch existieren.

Der Hecht steht

Derweil im Aquarienhaus: Unbeweglich steht der Hecht in seinem Revier. Daneben schwimmt sein "Lebendfutter". "Der bewegt sich nur, wenn er Hunger hat", erläutert Wolfgang Pfeifenberger. Dann aber ist was los im Aquarium.
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