Friedensnobelpreis geht überraschend an Dialog-Quartett nach Nordafrika
Oslo ehrt Tunesien statt Merkel

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr nach Tunesien. Das Nobel-Komitee vergab die wichtigste Auszeichnung der internationalen Politik am Freitag an ein "Quartett für den nationalen Dialog" aus vier Verbänden, das in dem nordafrikanischen Land die Demokratisierung vorangebracht hat: den Gewerkschaftsverband (UGTT), den Arbeitgeberverband (UTICA), die Menschenrechtsliga (LTDH) und die Anwaltskammer. Mit dem Nobelpreis, so die Begründung der Jury, soll der Demokratisierungsprozess weiter unterstützt werden. "Mehr als alles andere soll dieser Preis eine Ermutigung für das tunesische Volk sein", hieß es.

Tunesien gilt trotz einiger Rückschläge immer noch als Musterland des Arabischen Frühlings. Der langjährige Diktator Zine el Abidine Ben Ali war im Januar 2011 gestürzt worden, was auch Auslöser für Demokratiebewegungen in anderen Staaten war. Inzwischen gibt es in Tunis eine zivile Regierung. Die Entscheidung des Nobel-Komitees ist auch für viele Experten eine Überraschung. Zu den Favoriten hatte dieses Jahr auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihres Engagements in der Flüchtlingskrise gehört. Merkel bezeichnete die Preisvergabe an die Tunesier als "ausgezeichnete Entscheidung". Der Friedensnobelpreis ist mit 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 850 000 Euro) dotiert. Verliehen wird er am 10. Dezember in Oslo. (Kommentar und Seite 4)
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