Früherer V-Mann Tino Brandt vertraut sich Mithäftling an: Im NSU-Prozess Gedächtnislücken ...
Neonazi gibt in Haft Falschaussage zu

Es war ein Zufall, der den früheren V-Mann und Anführer des "Thüringer Heimatschutzes", Tino Brandt, mit einem vergleichsweise harmlosen Mann aus München zusammenbrachte. Letzterer stand wegen einer Trunkenheitsfahrt vor Gericht, verbrachte nur ein paar Tage in Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim. Dort traf er Brandt im Juli 2014 bei einem Hofgang. Jetzt hat er schriftlich und in Ich-Form niedergelegt, was der Neonazi und einstige Freund des NSU-Trios ihm dabei erzählt habe.

Es heißt darin, Brandt habe als Zeuge im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer exakt nur das ausgesagt, was Gericht und Bundesanwaltschaft ohnehin schon aus den Akten wüssten. Er habe "natürlich" mehr Fragen beantworten können, aber nicht wollen. "Ich bin doch kein Kameradenschwein", habe Brandt gesagt. Damit er keine Strafverfolgung riskiere - Zeugen sind gesetzlich zu vollständigen Aussagen verpflichtet -, habe er behauptet, "dass ich mich nicht erinnern kann".

Gute Erinnerung

Dabei erinnere er sich in Wahrheit recht gut - etwa auch daran, dass Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zwei Jahre nach ihrem Abtauchen in die Illegalität im Jahr 1998 "zu ihren Wurzeln zurückkehren" sollten. Damit sei der "Thüringer Heimatschutz" gemeint gewesen - der Verein, den Brandt anführte. Das hätten die drei aber abgelehnt und gemeint, "dass sie Besseres zu tun hätten. Es wäre an der Zeit für ernsthafte Rettungsmaßnahmen". Die hätten darin bestanden, "Volk und Heimat zu schützen".

Dem NSU werden zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vorgeworfen, begangen in den Jahren 2001 bis 2007. Als Motiv sieht die Bundesanwaltschaft bei fast allen Taten rassistischen Hass. Brandt soll seinem Gefängniskameraden auch verraten haben, wie er den Kontakt zu dem Trio hielt: Von Zeit zu Zeit habe er auf seiner Arbeitsstelle, einem rechtsradikalen Verlag im fränkischen Coburg, einen Anruf erhalten. Dabei seien ihm ein Codewort und die Nummer einer Telefonzelle in Zwickau mitgeteilt worden. Dort habe er sich zur vereinbarten Zeit gemeldet. Am Apparat sei dann meist Uwe Böhnhardt gewesen.

Brandt soll außerdem damit geprahlt haben, das Gericht über seinen Gesundheitszustand getäuscht und damit seine ersten Ladungstermine gekippt zu haben. Er habe die Symptome einer Hepatitis-Erkrankung gekannt und simuliert, "so dass ich die Zeugentermine im April (2014) platzen lassen konnte". Brandt ist nicht nur als hochrangiger Neonazi bekannt, sondern wurde zudem vergangenes Jahr wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht lässt die Aussagen des Mitgefangenen überprüfen.
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