Für Paternoster geht's abwärts

In München regt sich bereits Widerstand gegen das bundesweit verhängte Paternoster-Fahrverbot. Eine neue Bundesverordnung erlaubt nur noch befugtem Personal das Betreten der nostalgischen Aufzüge. Bild: dpa

Paternoster gelten als urig. Sie stammen aus längst vergangener Zeit. Hier und da sind die Aufzüge immer noch für jeden zugänglich - eine neue Vorschrift der Regierung soll das ändern.

Staunende Touristengruppen fotografieren sich in den Kabinen, kichernde Schüler fahren in der Mittagspause im Kreis - die drei Paternoster-Aufzüge ziehen viele Gäste ins Stuttgarter Rathaus. Aber wie lange noch? Wegen einer novellierten Verordnung der Bundesregierung drohen drastische Einschränkungen für die Retro-Umlaufaufzüge. Von Montag an sollen aus Sicherheitsgründen nur noch eingewiesene Mitarbeiter mit den altertümlichen Anlagen fahren dürfen. Öffentlicher Zugang wäre ordnungswidrig. Dagegen ist Widerstand entbrannt - der wohl auch gewirkt hat.

"Wir versuchen alles, was möglich ist, damit der Paternoster auch in Zukunft öffentlich nutzbar bleibt", hieß es aus dem Stuttgarter Rathaus. In München protestierten Anfang der Woche der Paternoster-Verein und die SPD-Stadtratsfraktion. Doch die Betriebssicherheitsverordnung ist eindeutig: "Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten verwendet werden." Laut Arbeitsministerium bedeutet das: kein öffentlicher Betrieb.

Für die politischen Gegner von Andrea Nahles ist das ein gefundenes Fressen - werfen sie der SPD-Ministerin schon länger Bürokratiewahnsinn vor. Im Nahles-Ressort weist man deshalb vorsorglich darauf hin, dass die Arbeitsschutzbehörden der Länder selbst die Einschränkung gefordert hatten - aus Sicherheitsgründen. So klemmte sich etwa in Frankfurt eine Frau 2013 die Beine ein. In Mainz sackte ein Mann nach dem Blutspenden zusammen und wurde mit dem Kopf eingeklemmt.

Dennoch sind schwere Unfälle selten, was wohl auch an der geringen Zahl der verbliebenen Paternoster liegt. Deutschlandweit kam man vor zwei Jahrzehnten auf rund 500 der 1880 in England erfundenen Aufzüge. Eine private Webseite zählt heute rund 230. In Stuttgart etwa gibt es drei in der Stadtverwaltung - und knapp 2000 Fahrgäste jeden Tag. In München läuft noch ein Paternoster im Städtischen Hochhaus. 1994 sollten die noch laufenden Aufzüge endgültig stillgelegt werden, was zur Gründung des "Vereins zur Rettung der letzten Paternoster" führte.

"Wenn die vorgeschriebenen Wartungen und Prüfungen durchgeführt werden, laufen die Anlagen in der Regel sehr zuverlässig", sagt Thomas Oberst vom TÜV Süd. Unfälle seien meist auf menschliche Fehler zurückzuführen, etwa Stolpern oder "unsachgemäßes Verhalten". Der Betrieb muss nun zunächst eingestellt werden. Doch Paternosterfreunde dürfen hoffen. Aus dem Bundesarbeitsministerium heißt es: "Die Länder sind zuständig für die Umsetzung und können von der Verordnung künftig abweichen."
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