Für Spaenle ein Plus

Die "Mittelstufe plus" an Gymnasien sieht Kultusminister Ludwig Spaenle als Chance. Und er erklärt sie wortreich.

Die Mittelstufe plus biete die Chance, ein "breites Spektrum an pädagogischen Fragestellungen für die Schüler gewinnbringend zu beantworten", sagte Spaenle. Die Möglichkeit, die Jahrgangsstufen 8 bis 10 in drei oder vier Jahren in einem eigenen Klassenverband zu absolvieren, sei sowohl für Schüler mit dem Bedarf an mehr individueller Lernzeit gedacht, als auch für solche, die eine besondere Begabung fördern oder ein Auslandsjahr einlegen wollen, erklärte Spaenle im Gespräch mit unserer Zeitung. Ziel sei es, dass junge Menschen "mehr Zeit für ihren Bildungsweg in Anspruch nehmen können, wenn sie das brauchen".

Spaenle betonte, dass für den im nächsten Schuljahr an bayernweit 30 bis 40 Gymnasien startenden Modellversuch grundsätzlich keine Zugangsbeschränkung vorgesehen sei. Die in der Öffentlichkeit diskutierte Deckelung von 25 Prozent eines Jahrgangs "gibt es nicht und hat es nie gegeben", betonte er. Zwar solle der Zugang vom "pädagogischen Bedarf" des einzelnen Schülers abgeleitet werden, doch laufe das Modell in diesem Punkt bewusst ergebnisoffen.

Lehrer bleiben

Die Lehrerausstattung für die "Mittelstufe plus" hält Spaenle für gesichert. Die zu bildenden Zusatzklassen hätten weniger Wochenstunden. Diese blieben für die Umsetzung des Modells erhalten. Zudem erhielten die Pilotschulen einen Zuschlag von vier Lehrerwochenstunden. In den Folgejahren werde es durch die zusätzliche Jahrgangsstufe einen Mehrbedarf an Lehrkräften geben. "Diesen Mehrbedarf werden wir ausgleichen", sicherte Spaenle zu. Die Pilotphase ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Eine Rückkehr zum G9 sieht der Minister mit dem Modell nicht verbunden. "Ich möchte von einem pädagogischen Gebäude ausgehen, das stofflich auf acht Jahre ausgelegt ist, aber dem Einzelnen die Möglichkeit eröffnet, sich bei Bedarf in der Mittelstufe länger Zeit zu lassen", sagte Spaenle. Dass sich in Bundesländern mit G8/G9-Wahlfreiheit bis zu 90 Prozent der Schüler für die längere Variante entscheiden, liegt nach Ansicht Spaenles an der frühen Zweigwahl bereits nach der 4. Klasse.

Entscheidung nach 7. Klasse

In Bayern soll die Entscheidung über die längere Lernzeit erst nach der 7. Klasse fallen, "wenn Eltern, Schüler und Lehrer auf die Erfahrungen in der Unterstufe zurückgreifen können". Aus diesem Grund glaubt Spaenle auch nicht, dass die "Mittelstufe plus" von Schülern "überrannt" werden wird. Aber selbst wenn der Zuspruch größer sein sollte als Spaenles Grundannahme von rund 25 Prozent, werde er nicht auf das vom Philologenverband vorgeschlagene Modell eines G9 mit G8-Zug für besonders begabte Schüler einschwenken. Dieses Modell habe es in den 1990-er Jahren bereits an Dutzenden bayerischen Gymnasien gegeben - mit mäßigem Erfolg.
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