G7-Gipfel: Kunden seilen sich ab

Ernüchterung statt Euphorie - für viele Geschäftsleute in Garmisch-Partenkirchen bedeutet der G7-Gipfel Umsatzeinbußen. Wegen des Ausnahmezustands schließen viele Ladenbesitzer ihre Geschäfte rund um die beiden Gipfeltage.

Alltag in einem Garmischer Modegeschäft gut eine Woche vor dem G7-Gipfel: Seelenruhig sortieren die beiden Angestellten die Sportjacken in den Regalen - von Kundschaft keine Spur. "Der Laden ist menschenleer", sagt die Verkäuferin Anett Felgner. "Die Kunden bleiben aus." Schon seit April sei ein deutlicher Umsatzrückgang zu verzeichnen. Und während des Gipfels bleibt die Filiale des Modeherstellers Wellensteyn ganz geschlossen.

So handhaben es viele Geschäftsleute und Gastronomen, wenn sich im nahen Schloss Elmau am 4. und 5. Juni die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industrienationen treffen. Vor allem das Schließen am Freitag tue dem Einzelhandel in der Fußgängerzone weh. "An Brückentagen steppt es hier sonst richtig", sagt Felgner.

Ernüchterung kehrt ein

Nach der anfänglichen Euphorie über das Megaereignis G7-Gipfel herrscht bei vielen Geschäftsleuten längst Ernüchterung. Eine für den 6. Juni genehmigte Demonstration mit bis zu 10 000 erwarteten Teilnehmern und die Präsenz Tausender Polizisten im Ort wecken bei den Ladeninhabern Befürchtungen, es könnte zu Krawallen kommen. Juwelier Josef Stöckerl lässt sein Geschäft in der Fußgängerzone dennoch auf. "Wir sollten uns nicht als Geisterstadt präsentieren", sagt der Ladeninhaber, schränkt aber ein: "Sobald Gefahr im Verzug ist, lasse ich die Rollläden runter." Stöckerl befürwortet den G7-Gipfel: "Langfristig wird es ein Gewinn für unseren Ort sein."

Ganz anders Michael Haug von der St.-Antonius-Apotheke. "Warum findet der G7-Gipfel nicht am Regierungssitz in Berlin statt, wo alle Sicherheitsvorkehrungen problemlos getroffen werden könnten?", fragt der Apotheker. Er muss seine Apotheke geöffnet lassen. Das Gesetz schreibt es vor. Gerade klärt Haug, wie Lieferfahrzeuge trotz umfangreicher Sperrungen dringend benötigte Medikamente zur Apotheke bringen können. "Von der Gemeinde oder der Polizei haben wir dazu nichts bekommen", sagt Haug verärgert.

Bank bleibt geschlossen

Die Hypo-Vereinsbank macht am Freitag und Montag ihre Garmischer Filiale komplett dicht. Die SB-Center im Ort und in Mittenwald sind sogar schon am Tag davor zu. Wer Geld braucht, muss sich früher eindecken. "Wir müssen aus Sicherheitsgründen leider zumachen", sagt eine Mitarbeiterin.

Die Hoteliers und Gastronomen wollen gute Gastgeber sein. "Wir werden dafür sorgen, dass alle bestens betreut werden", sagt die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, Jutta Griess. Das gelte auch für die Demonstranten, "die wir mit Essen und Trinken versorgen". Unterkünfte seien weitgehend ausgebucht. Vor allem Regierungsbeamte, Polizisten und Journalisten wohnen während des Gipfels im Ort. So manche Gaststätte bleibe aber geschlossen.
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