Gebot genau geeicht

In zwei Jahren feiert Bayern das 500-jährige Bestehen seines Reinheitsgebotes für Bier. Nur Wasser, Hopfen, Gerstenmalz und Hefe darf für die Herstellung verwendet werden. Eine noch deutlichere Regelung wird es aber nicht geben.

Was die Menschen anno 1516 noch nicht wissen konnten, war der heute um sich greifende Einsatz gentechnisch veränderter Organismen. Dieser macht auch vor Hopfen und Gerste nicht Halt. Die bayerischen Bierbrauer sähen das Reinheitsgebot deshalb gerne um den Zusatz "gentechnikfrei" ergänzt. Unter Federführung der letztjährigen Bierkönigin Maria Krieger haben in diesem Sinne 120 Brauer und Mälzer eine Petition an den Landtag gerichtet - und sind damit abgeblitzt.

Schon im federführenden Umweltausschuss wollte die CSU dem Wunsch kürzlich nicht nachkommen, am Dienstag bestätigte sie dieses Votum im Landtagsplenum. Bei aller Wertschätzung für die Leistungen der bayerischen Brauerzunft erklärte der CSU-Abgeordnete Michael Brückner die Eingabe für überflüssig, weil CSU und Staatsregierung längst alle Forderungen der Brauer umgesetzt hätten. Schon seit 2009 würden im Freistaat keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Importierte Agrarrohstoffe dürften hierzulande nur dann verkauft werden, wenn der Gentechnikanteil unter 0,1 Prozent liege. "Wer gentechnikfreie Braugerste will, muss sie nur aus bayerischem Anbau kaufen", riet Brückner den Brauern.

Keine Käseglocke

Eine Steilvorlage für Herbert Woerlein (SPD). Dass ausgerechnet die CSU eine Petition für erledigt erkläre, die die Fortentwicklung des Reinheitsgebotes bei Bier zum Ziel habe, das sei bislang außerhalb seines Vorstellungsbereichs gewesen. Bayern lebe eben nicht unter einer Käseglocke, man müsse die Sorgen der Brauer vor gentechnischer Verunreinigung ihrer Produkte schon ernst nehmen. "Die Reinheit unseres Bieres ist eines der Identifikationsmerkmale Bayerns", erklärte Woerlein. Ein einstimmiger Beschluss des Landtags, dass die Gentechnikfreiheit Bestandteil des Reinheitsgebots sein solle, wäre schon ein starkes Signal. Das forderte die neue Umweltministerin Ulrike Scharf heraus. "Wir dulden keine gentechnisch veränderten Zutaten im Bier, das Reinheitsgebot steht nicht zur Disposition", stellte sie klar. Auch lehne sie den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen im Freistaat weiter ab. Eine Präzisierung im Reinheitsgebot sei mithin nicht erforderlich. Da konnte die Opposition noch so sehr vor Auskreuzungen bei der Pflanzenzucht oder bevorstehenden Anbaugenehmigungen durch die EU warnen.
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