Gefallener Fußballpotentat

Gerd Niebaum. Bild: dpa

Kein Ehrenplatz mehr auf der Hauptbühne - sondern Anklagebank. Der ehemalige BVB-Präsident Gerd Niebaum steht wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht. Es geht um 14 Fälle aus seiner Zeit als Rechtsanwalt - Präsident war er da schon nicht mehr.

Als er mit Borussia Dortmund deutsche Meisterschaften und internationale Siege feiert, steht Gerd Niebaum noch auf der ganz großen Fußballbühne. Klein und eng ist es dagegen im Saal 136 des Dortmunder Landgerichts. Hier muss sich der Ex-Vereinspräsident Untreue- und Betrugsvorwürfen stellen.

Mit stoischem Gesichtsausdruck steht er im Blitzlichtgewitter, die Hände in den Hosentaschen. Äußerlich unbewegt verfolgt er die Anklage - sie umfasst 14 Fälle. Alle liegen in der Zeit nach seiner BVB-Präsidentschaft, die 2004 nach 18 Jahren endete. Insgesamt geht es um rund 1,7 Millionen Euro.

Der Staatsanwalt wirft Niebaum vor, er habe sich 2005 als Anwalt und Testamentsvollstrecker illegal rund 460 000 Euro aus einem Nachlass als Darlehen gewährt. Um privat geliehene 600 000 Euro länger behalten zu können, habe der 66-Jährige zudem die Unterschrift seines toten Schwagers gefälscht. Laut Anklage steckte Niebaum zu dieser Zeit finanziell gehörig in der Klemme. Auf rund 16 Millionen Euro beziffert der Staatsanwalt die Verbindlichkeiten. In Verhandlungen mit Banken habe Niebaum einen großen Teil verschwiegen, daher zählt zu den Vorwürfen auch Kreditbetrug.

Seit 2005 weg vom Fußball

Auch Niebaum war ein mächtiger Fußballfunktionär, auch diesmal geht es um private Finanzen - dennoch ist der Fall in vielen Punkten anderes gelagert als bei Ex-Bayern-Chef Uli Hoeneß. Beim BVB spielt Niebaum längst keine Rolle mehr, seit er 2005 auch seinen Posten in der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA aufgab.

In den 18 Jahren seiner Präsidentschaft stand der 66-Jährige sowohl für die großen sportlichen Erfolge der Dortmunder Mitte bis Ende der 1990er-Jahre - aber auch für den finanziellen Abstieg und die Beinahe-Pleite 2005. Niebaum hatte mit Michael Meier die Geschäftsführung inne, als hohe Investitionen und ein auf Wachstum angelegtes Geschäftsmodell den Verein beinahe ruinierten. Auch mit seiner Kanzlei ging es bergab. 2011 erkannte ihm die Rechtsanwaltskammer Hamm die Zulassung ab. Niebaum wehrte sich juristisch dagegen - vergeblich. 2012 verlor er die Erlaubnis endgültig.

Goldene Ära des BVB

In seine Amtszeit als BVB-Präsident fielen der Gewinn der Champions-League und des Weltpokals 1997, die Deutschen Meisterschaften 1995, 1996 und 2002 sowie der DFB-Pokalsieg 1989. 2000 führte Niebaum die Borussia als ersten deutschen Fußballverein an die Börse. "Zukunft braucht Herkunft" lautete das Motto des Westfalen, der für Tradition stand, aber auch den Stadionausbau voranbrachte.

Als der erste Verhandlungstag vorbei ist, bleibt der Angeklagte länger im Saal sitzen, berät sich mit seinen Anwälten. Als ihn vor der Tür Fotografen und Reporter erwarten, geht er wortlos und zügig vorbei. Den Autogrammwunsch eines Zuschauers lehnt er ab.
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