Geiselnahme in einem Café
Terror-Alarm in Sydney

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Ein Geiselnehmer hält Sydney über Stunden in Atem. Dann schlägt die Polizei zu. Der Täter soll radikaler Muslim sein. Handelte er allein?

Sydney. (dpa) [Aktualisierung 17:21 Uhr] Nach 16 Stunden hat die Polizei im australischen Sydney eine Geiselnahme mit möglicherweise islamistischem Hintergrund beendet. Sicherheitskräfte stürmten das Café in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit), es waren Explosionen und Schüsse zu hören. Menschen wurden auf Tragen aus dem Haus gebracht. Medienberichten zufolge gab es mindestens zwei Tote und mehrere Verletzte. Kurz vor drei Uhr am Morgen teilte die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: «Sydney-Geiselnahme ist beendet.»

Ob der Täter bei der Erstürmung festgenommen oder getötet wurde, war zunächst unklar. Laut Polizei handelt es sich um einen 49- oder 50-jährigen radikalen Iraner. Der bewaffnete Mann - wohl ein Einzeltäter - war am Montagmorgen um kurz vor zehn Uhr Ortszeit in das Lindt Chocolat Café am Martin Place in der Innenstadt gestürmt. Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme dort aufhielten, war unklar. Nach Angaben der Vize-Polizeichefin Catherine Burn waren es weniger als 30.

Der Geiselnehmer, dem Australien Asyl gewährte, bezeichnete sich den Angaben zufolge selbst als muslimischer Kleriker und Heiler. Auf TV-Bildern war zu sehen, dass er ein Stirnband mit arabischen Schriftzeichen trug und mehrere Frauen in seiner Gewalt zwang, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in die Fensterscheibe des Cafés zu halten.

Seine genauen Motive waren laut Polizei unklar. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge forderte der Geiselnehmer mehrfach, den australischen Regierungschef Tony Abbott zu sprechen.
Fünf der Geiseln hatten noch am Tage aus dem Café im Geschäftsviertel entkommen können. Fotos zeigten eine Angestellte mit Schürze, die mit Panik im Gesicht auf Polizisten in schwerer Montur zurannte. Ob der Geiselnehmer seine Opfer freiließ oder sie flüchten konnten, sagte die Polizei nicht.

Die Beamten riegelten den Tatort weiträumig ab, überall gingen schwer bewaffnete Einsatzkräfte in kugelsicheren Westen in Stellung. Gebäude wurden geräumt, darunter vorsichtshalber auch das berühmte Opernhaus. Die Polizei verhandelte nach eigenen Angaben mit dem Geiselnehmer.

Fernsehsender filmten ihn am Morgen durch ein Fenster des Cafés. Auf der Fahne standen die Worte der sogenannten Schahada («Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet»), die auch von Islamisten wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) benutzt werden.

Der Iraner sei wegen sexueller Übergriffe in mehr als 40 Fällen sowie im Zusammenhang mit dem Tod seiner Ex-Frau wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, berichteten Medien übereinstimmend. Er sei gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen, sagte Anwalt Manny Conditsis, der den Mann im vergangenen Jahr verteidigt hatte. Der Mann schrieb auch Hassbriefe an Angehörige gefallener australischer Soldaten, wie die Zeitung «The Age» berichtete.

In Australien gilt seit September Terror-Alarmstufe drei von vier, was bedeutet: «Terroranschlag wahrscheinlich». Bei einer Großrazzia hatte die Polizei damals nach eigenen Angaben einen Anschlag auf australischem Boden vereitelt, bei dem ein beliebiger Passant auf der Straße entführt und enthauptet werden sollte. Australien beteiligt sich mit mehreren Hundert Elitesoldaten und Flugzeugen an der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS in Syrien und Irak.