Geld hinter Dosen-Wurst

Einer der ranghöchsten Kirchenmänner bei einem Besuch in Sulzbach-Rosenberg: Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Finanzfahnder durchsuchten ein Büro seines Verwaltungsleiters. Archivbild: moh

Finanzfahnder durchsuchen Räume der Glaubenskongregation. Der Vatikan räumt "Unregelmäßigkeiten" ein, weist aber die Verwicklung des Chefs, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, zurück. Dennoch schlägt die Nachricht hohe Wellen.

In den Diensträumen des Kurienkardinals Gerhard Ludwig Müller in Rom hat es einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge eine Razzia gegeben. Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, soll sich geweigert haben, Unterlagen auszuhändigen, die der päpstliche Generalbuchprüfer im Frühjahr angefordert hatte. Daraufhin hätten Finanzfahnder bei einer Durchsuchung im Büro von Müllers Verwaltungsleiter in einer Schublade, hinter einer alten Dose Wiener Würstchen, 20 000 Euro in bar gefunden - und beschlagnahmt. Das Geld stamme aus Gebühren, die der Vatikan weltweit aus Bistümern für die Untersuchung von Fällen sexuellen Missbrauchs bezieht. Es bestehe laut "Bild" der Verdacht, dass das Geld für private und dienstliche Anschaffungen verwendet worden sei. Gegen Müller werde ermittelt.

Vorwürfe zurückgewiesen

Gegen ihn werde nicht ermittelt, erklärte hingegen Müller selbst am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom. Entschieden dementierte der drittmächtigste Mann im Vatikan, Gebühren seien für private Anschaffungen verwendet worden. Ebenso falsch sei, dass er der vatikanischen Buchhaltung die Akteneinsicht verweigert habe. Müller sagte, Unregelmäßigkeiten im Verwaltungsbereich seiner Behörde seien bereits vor einem halben Jahr geklärt worden. Damals sei der frühere Finanzbuchhalter mit einer anderen Aufgabe betraut worden. Richtig sei, dass für die Aufgaben in der Ehe- und Disziplinarabteilung seiner Kongregation von den Diözesen ein Beitrag erbeten werde. Dieser fließe jedoch stets und vollständig in den Gesamthaushalt der Kongregation ein. Auch Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Vorwürfe zurück. Im Zuge regulärer interner Kontrollen seien zwar vor geraumer Zeit "Unregelmäßigkeiten" in der Finanzverwaltung der Glaubenskongregation festgestellt worden. Daraufhin habe man jedoch schon vor sechs Monaten Gegenmaßnahmen ergriffen. "Die Oberen der Behörde, insbesondere Kardinal Müller, der fälschlicherweise in dem fraglichen Artikel angeführt wird, haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun", heißt es in Lombardis Erklärung.

Milde gewünscht

In Regensburg fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. "Sollte es sich herausstellen, dass es bei ihm in der Glaubenskongregation schwarze Kassen in der Größenordnung von 20 000 Euro gibt, dann verdient ein solcher Missbrauch jede Gerechtigkeit - nämlich, dass er sofort aus seinem Amt als Präfekt der Glaubenskongregation entlassen wird", erklärte Johannes Grabmeier, Vorsitzender der Laienverantwortung Regensburg. Angesichts der "Richtungskämpfe und Intrigen im Vatikan" wünsche er Müller, dass bei den Untersuchungen "nicht mit der gleichen unerbittlichen Härte gegen ihn vorgegangen wird, wie er selbst es mit seinen Kritikern immer gemacht hat".

Albert Schmid, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken und langjähriger Vertrauter Müllers, wollte am Mittwoch am Telefon keine Erklärung abgeben. Nur so viel: "Sie hören, ich bin gelassen." Ob er Müller eine solche Vorgehensweise zutraut? "Natürlich nicht." Auch zu Spekulationen, dass bei Kardinal Müller, der vielen als konservativer Gegenpol zu Papst Franziskus gilt, besonders genau hingeschaut wird, wollte er sich nicht äußern. (Angemerkt)
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