Geldwäscher erpresst?

Hells Angels sollen Geld aus der Reemtsma-Entführung gewaschen haben. Mit diesem Wissen soll ein Mann aus Aachen mehr als 80 000 Euro erpresst haben.

Ein 62-jähriger Mann steht seit Mittwoch wegen Erpressung im Zusammenhang mit dem verschwundenen Millionenlösegeld aus der Reemtsma-Entführung in Aachen vor Gericht. Der Angeklagte soll den damaligen Vizepräsidenten der Frankfurter Hells Angels, einen Anwalt und einen Geschäftsmann um rund 83 000 Euro erleichtert haben.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte Buch über Aktionen geführt haben, mit dem das Lösegeld gewaschen wurde. Seinen Opfern habe er gedroht, mit seinem Wissen zur Staatsanwaltschaft zu gehen, wenn sie nicht zahlten, sagte Oberstaatsanwalt Peter Jansen. Zwischen 2009 und 2014 hat der mutmaßliche Erpresser demnach die 83 000 Euro in Einzelbeträgen zwischen 200 und 3000 Euro kassiert.

Der Angeklagte hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 62-Jährige ist in Aachen geboren, war aber zuletzt in Brasilien gemeldet und wurde auf Mallorca festgenommen.

Auf ein Bankkonto in Brasilien soll seine Schwester knapp die Hälfte des erpressten Geldes überwiesen haben. Die 60-Jährige sitzt wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur gewerbsmäßigen Erpressung mit auf der Anklagebank. Die in Aachen lebende Witwe bestritt, ihrem Bruder geholfen zu haben. Sie war am 9. April in Aachen festgenommen worden.

Der erste Verhandlungstag endete bereits nach Verlesung der Anklageschrift. Ein Anwalt wollte die Besetzung der Kammer prüfen, weil sich die Besetzung der Schöffen geändert hatte. Bei der Entführung des Hamburger Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma 1996 war das Opfer gegen die Zahlung des bis dahin höchsten bekannten Lösegeldes von 30 Millionen Mark freigekommen. Bei anschließenden Transaktionen der Beute hatte Brasilien immer wieder eine Rolle gespielt. Aber von einem Großteil des Lösegelds fehlt jede Spur.
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