Gemeinschaft Gleichgesinnter

Frieden, Freiheit und Familie sind den Deutschen von jeher wichtig. Im sogenannten Werte-Index 2016 gehört auch der Wunsch nach Sicherheit zu den am häufigsten genannten Aspekten. Bild: dpa

Gesundheit, Freiheit, Erfolg. Diese Werte sind den Deutschen besonders wichtig. An Bedeutung gewinnt die Sicherheit - auch aus traurigem Anlass der Vorfälle in Frankreich.

In Zeiten von Terrorismus ist Freiheit für die Deutschen besonders wichtig - gleichzeitig gewinnt das Thema Sicherheit an Bedeutung. Das geht aus dem Werte-Index 2016 hervor, den Trendforscher Peter Wippermann am Mittwoch in Berlin mit TNS-Infratest-Geschäftsführer Jens Krüger vorstellte.

Empfundener Wertewandel

Für den Index werteten Experten 5,7 Millionen Beiträge von Nutzern deutscher Internetseiten aus. Demnach liegt die Freiheit wie bei der Vorgänger-Studie auf dem zweiten Platz. Auf Rang eins bleibt die Gesundheit, den dritten Platz belegt weiter das Thema Erfolg. Sicherheit klettert deutlich nach vorne, von Rang zehn auf sieben. Den Angaben zufolge sind 77 Prozent der Deutschen über 14 Jahre aktive Internetnutzer und die Ergebnisse demnach darüber aussagekräftig, wie sich die Werte wandeln.

Das Thema Freiheit hat nicht zuletzt wegen Terroranschlägen einen hohen Stellenwert. Mit Blick auf den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" wird diskutiert, inwiefern die Werte des Islam mit denen der westlichen Welt vereinbar sind. Die jüngsten Anschläge in Paris wurden in dem Index, der für den Zeitraum von März 2014 bis Ende Februar 2015 steht, nicht erfasst.

Die Angst vor Terrorismus ist für Trendforscher Wippermann einer der Gründe, warum Freiheit und Sicherheit für die Menschen in Deutschland so wichtig sind. Es gehe vielen darum, "in diesen Zeiten etwas zu suchen, was einem Ruhe gibt". Das Vertrauen in andere Menschen hat eine höhere Bedeutung als das in Staat und Politik. Für Krüger zeigt sich in dem Index auch, dass viele das Gefühl haben, "dass der Staat es nicht mehr richten kann". Eine Reaktion sei, dass sich die Gesellschaft mehr in Gemeinschaften von Gleichgesinnten aufteile.

Staat überfordert

"Man sucht sich die Gemeinschaft, die einem Sicherheit verspricht und gibt ihr auch etwas zurück", erklärt Wippermann. Die Infrastruktur biete das Internet. Eine Herausforderung für die Gesellschaft sei es, dass die Orientierung an Gleichgesinnten nicht auf Kosten der Beziehung zu anderen gehe - etwa mit Blick auf islamfeindliche Bewegungen wie Pegida. Die größte Chance sieht der Forscher dagegen "in der Energie, die unter Gleichgesinnten für gemeinsame Ziele kanalisiert werden kann - wie die Welle an Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen zeigt".
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