Gericht verurteilt Betreuerin zu dreieinhalb Jahren Haft - 195 000 Euro veruntreut
"Schutzlose schamlos ausgenutzt"

Weiden. (ca) Das Schöffengericht in Weiden hat am Montag eine 51-Jährige aus dem Altlandkreis Eschenbach zu 3 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die vom Gericht eingesetzte Betreuerin 195 000 Euro vom Geld ihrer Schützlinge veruntreut hat. Insgesamt flossen in das Urteil 52 Fälle der Untreue und 7 Fälle des Betrugs ein.

Betrug deshalb, weil die Angeklagte für einen Betreuten gar nicht mehr mit der Vermögenssorge betraut war. Sie hatte bei der Bank ihre alten Vollmachten genutzt. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Gerhard Heindl blieb mit seinem Urteil nur vier Monate unter der Forderung des Staatsanwalts. Dr. Christoph Edler hatte das Vorgehen der Angeklagten rekonstruiert: Sie habe das Geld entweder in bar abgehoben, in vielen Fällen auch auf Konten ihrer eigenen Angehörigen geschleust und damit den Weg des Geldes "professionell verschleiert". "Diese Gelder hat sie mit ihrem eigenen Vermögen vermischt und für sich verbraucht."

Nach Gutdünken habe sie kleinere Beträge auch an die Betreuten ausbezahlt, so der Staatsanwalt. Alles in allem: ein "Chaos", das Verteidigerin Andrea Schnetzer für ihre Beweisführung nutzte. Ihre Mandantin habe am Ende etwa 40 Fälle betreut und sei überfordert gewesen. "Sie hat Panik bekommen, zuletzt nicht einmal mehr ihre Post geöffnet."

Die Betreuerin führte auch keinerlei Nachweise oder Belege. Für die Anwältin war das ebenfalls ein Argument gegen den Vorwurf der Untreue: "Das ist alles nicht nachvollziehbar." Sie sah in vielen Fällen keinen "ganz konkreten, nachweisbaren Verlust". Das Gericht sah das anders: "Die Geschädigten waren schutzlos und wurden schamlos ausgenutzt", so Richter Heindl in der Urteilsbegründung.
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