Gesundes Kochen kann einfach sein

Attila Hildmann ist Autodidakt, angehender Physiker und auf ungewöhnlichem Wege zur veganen Küche gekommen. Als sein Vater 2000 einen Herzinfarkt erlitt, begann er, sich intensiv mit dem Thema "gesunde Ernährung" zu beschäftigen. Er entschied sich für den kompletten Verzicht auf tierische Produkte in seiner Nahrung und eine vegane Lebensweise.

Der Mangel an ideenreichen Rezepten und Kochbüchern ließ ihn kreativ werden, er brachte sich selbst das Kochen bei und dachte sich neue Gerichte aus. Durch die Umstellung zur veganen Kost in Kombination mit Sport verlor er 35 Kilo Übergewicht und seine medizinischen Werte verbesserten sich eindrucksvoll. Er war begeistert. In seinem aktuellen Buch "Vegan for Youth" (228 Seiten, 29,95 Euro, Becker-Joest-Volk-Verlag) ist Attila Hildmann dem Phänomen dieses Ernährungskonzeptes mit wissenschaftlichem Spürsinn weiter auf den Grund gegangen.

Worum geht es genau in "Vegan for Youth"?

Attila Hildmann: Vegane Ernährung ist der Schlüssel, um abzunehmen und gleichzeitig die Prozesse im Körper optimal zu unterstützen und zu reparieren. Viele Menschen sind ja durch Übergewicht oder Volkskrankheiten wie Cholesterin oder beginnende Diabetes gefährdet. Aber Diäten und Fehlernährungen sind auch nicht ungefährlich für die Gesundheit. "Vegan for Youth" beschreibt eine Ernährung nach neuesten Erkenntnissen der weltweiten Ernährungsforschung ohne Wenn und Aber. Die Ergebnisse sind eine kleine Sensation.

Wie kommt man als Koch auf so ein Thema?

Hildmann: Als Veganer beschäftigt man sich automatisch viel intensiver mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Essen, weil man mehr über Essen nachdenkt. Und als angehender Physiker will ich immer genau wissen, was dahinter steckt. Also habe ich angefangen, Studien zu lesen. Es gab einige hundert davon, die meisten natürlich auf Englisch. Eine Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass schon dreimal die Woche eine Portion Blaubeeren zu essen das Herzinfarktrisiko auf ein Drittel senken kann. Solche Zusammenhänge haben mich schon lange fasziniert. Möglicherweise würde mein Vater noch leben, hätte er immer Blaubeeren gegessen.

Wie ist die konkrete Idee zu Ihrem neuen Buch entstanden?

Hildmann: Die "Vegan for Fit"-Challenge wurde von hunderttausenden Menschen absolviert und viele berichteten immer wieder darüber, dass sie sich junger und vitaler fühlten, schon nach 30 Tagen. Das sah man auch auf den unzähligen Vorher-Nachher-Bildern, die immer wieder in den Online-Foren gepostet wurden. Die Challenger sahen einfach nachher besser und sogar junger aus. Das waren verblüffende Effekte, die mich nachdenklich machten. Auch ich sehe auf den Bildern von heute eher junger aus als noch vor 14 Jahren.

Wissenschaftliche Bestätigung fand ich dann durch den konkreten Telomer-Test, der die Länge meiner Chromosomen-Endkappen gemessen hat. Heute bin ich nach wissenschaftlicher Messung gerade mal 26 Jahre alt, und nicht 33, wie es in meinem Pass steht. Diesen Erkenntnissen wollte ich wissenschaftlichem auf den Grund gehen. Ich reiste in ferne Länder, besuchte steinalte, vegan lebende Mönche in Kyoto, vitale Mammas im italienischen Dorf der Hundertjährigen, sprach mit hochkarätigen Wissenschaftlern und führte viele Testreihen durch, die meine Hypothese stutzten: Dass man sich mit Meditation, Stretching, antioxidantienreicher Ernährung und Bewegung verjüngen kann.

Sie ernähren sich seit vielen Jahren vegan. Wie kam es dazu?

Hildmann: Mein Vater starb vor meinen Augen an einem Herzinfarkt, als ich 19 Jahre alt war. Dieses Ereignis nahm mich emotional sehr mit. Bevor das passierte, pumpten ihn die Ärzte lieber mit Betablockern voll oder sägten ihm den Brustkorb auf, anstatt ihm die einfachste und logischste Heilung anzubieten: nämlich, sich rein vegan zu ernähren, ohne Cholesterin und tierische Fette. Ich selbst hatte zu der Zeit 35 Kilo Fett auf den Rippen, hing nur vor dem PC und ernährte mich nachlässig. Es musste was passieren.

Wie sieht das perfekte Drei-Gänge -Menü für Sie aus?

Hildmann: Pikantes Bruschetta, Zucchinirollchen mit Kurbisfullung und Pesto--]Topping, Cashew--]Eis mit Krokant und warmen Zimt--]Apfel--]Chutney. Dazu frisch gepresste Safte und interessante Gaste. Das konnte ein gutes Kochshowformat werden.

Welche Tipps haben Sie für Neu-Veganer beziehungsweise Einsteiger?

Hildmann: Bloß nicht von den missionarischen Veganern die Laune verderben lassen. Es ist weder eine Ernährungs-Religion, noch muss man dieses oder jenes machen. Jedes Essen zählt in der Positivbilanz. Man sollte sich nicht rechtfertigen, Essen ist auch irgendwie Privatsache. Man tut es letztlich für sich selbst und muss lernen, dazu zu stehen.

Was gehört unbedingt zur veganen Zutaten-Grundausstattung, gerade wenn es mal schnell gehen muss?

Hildmann: Weises Mandelmus für schnelle Sahnesaucen, Matcha für den täglichen Rush, Räuchertofu fur geile Sandwiches, Pesto für schnelle Pasta-Gerichte. Mein neues Buch "Vegan for Youth" enthält eine ganze Reihe an schnellen und einfachen Rezepten mit wenigen Grundzutaten, die man bei jedem "Biodealer" erhält. Kochen kann einfach sein und Spaß machen!

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.attilahildmann.com
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