Glauben mit Leben erfüllen

Pfarrer Michael Kelinski und stellvertretender Dekan Dirk Grafe (vorne, von links) gingen vor den Vertretern des öffentlichen Lebens von St. Peter und Paul zum Festakt in der Turnhalle. Bilder: zer (2)

Drei Tage läuteten die Glocken, als mit dem Rastatter Frieden vor 300 Jahren der spanische Erbfolgekrieg beendet war. Dass ihr neues Gotteshaus dabei Schaden nahm, erfuhren die Püchersreuther am Sonntag.

300 Jahre sind eine lange Zeit, etwa zehn Generationen lang steht das mittlerweile evangelsiche Gotteshaus St. Peter und Paul. Jetzt feierte die Kirchengemeinde mit der Bevölkerung den Geburtstag der Kirche. Start war mit einem Festgottesdienst.

Vom evangelischen Gemeindehaus führte der Kirchenzug in die Kirche. Mit Fahnen beteiligten sich Feuerwehr, OWV, Sport- und Burschenverein sowie Siedler. Der evangelische Posaunenchor schritt voran. Die Bläser gestalteten auch den Gottesdienst musikalisch. Pfarrer Michael Kelinske leitete die Liturgie. Als Gastprediger war der stellvertretende Dekan Dirk Grafe gekommen.

Püchersreuth - Paris

Er zog auch eine Verbindung von Paris nach Püchersreuth. Ludwig XIV., der den Prunkbau in Versailles für sich hinstellte starb vor 300 Jahren, als die kleine Oberpfälzer Gemeinde die Kirche zur Ehre Gottes errichtete. "Die Kirche aus Stein steht noch immer. Die Gemeinde bildet die lebendigen Steine, in ihrer Mitte steht Christus", sagte Grafe. Die Jubelkirche, die bis zum Anfang des 20 Jahrhunderts als Simultankirche von Protestanten und Katholiken genutzt wurde, stehe für die Gemeinsamkeit in Jesus Christus und für das Miteinander der Konfessionen. "Sie alle pflegen den christlichen Glauben."

An der Orgel saß Cornelia Treml, der evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Michael Raab spielte zum Auszug "Ich lobe dich von ganzer Seele". Nach dem Segen sammelten sich die Gläubigen und zogen zur Turnhalle an der Schule. Dort fand sich der Chor wiederum im Einsatz mit "Freude schöner Götterfunke". Treml tauschte das Organistenamt mit der Moderatorenrollen.

Risse im Gewölbe

Historische und heimatkundliche Informationen reichte Pfarrer Volker Wappmann aus Vohenstrauß nach. So wurde mit dem Rastatter Frieden der spanische Erbfolgekrieg 1714 beendet. "Damals wurde gefeiert und die Glocken läuteten drei Tage lang." Die in Floß seien größer und stärker gewesen, die zwei kleinen Glöckchen in Püchersreuth weniger.

"Doch hielt der Klöppel in Floß nur einen Tag." Das habe die Püchersreuther gefreut, die länger läuten konnten. Allerdings habe das Gewölbe dann Schaden genommen. Viele neue Gotteshäuser seien in der Barockzeit entstanden. "Die hiesige Kirche zeigt das Bild von damals und hat die Zeit überdauert", schloss Wappmann.

Bürgermeister Rudolf Schopper nannte drei Jahrhunderte eine lange Zeit mit vielen Ereignissen und Kriegen. "Die Kirche hat überdauert. Reparaturen waren notwendig. Die Menschen haben mit Hand angelegt auch kürzlich, als morsche Balken ausgetauscht wurden." Auch an das Netz der Simultanradwege sei St. Peter und Paul angeschlossen.

"Eine lebendige Kirchengemeinde kann das 300-jährige Bestehen dieser Kirche feiern", sagte Landrat Andreas Meier. Heute habe die Kirche auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe. "Vor Gott sind alle Menschen gleich. Jeder ist hier und heute willkommen. Diesem Glaubenskern müssen wir wieder Leben einhauchen", verwies er auf die große Herausforderung mit den vielen Menschen, die aktuell ins Land kommen. "Wir müssen uns dieser Aufforderung stellen und sie gemeinsam angehen. So wird Glauben mit Leben erfüllt."

"Diese Orte zum Kraft tanken müssen erhalten bleiben", unterstrich Landtagsabgeordnete Annette Karl. Hier müsse sich auch Mitmenschlichkeit zeigen. Bei Verfolgungen seien Menschen hier immer sicher gewesen. "Wir müssen unseren Beitrag leisten und jenen, die Zuflucht suchen, auch helfen."

Ein Ziel für alle

Das Buch "Labyrinthe" übergab der katholische Pfarrer Manfred Wundlechner. So wie man in einem Labyrinth mal vor und mal zurück gehe, habe es doch ein Ziel. "Unser Ziel ist Jesus Christus. Möge der Weg uns alle dorthin führen", wünschte er ein gutes Miteinander.

Nach dem Musikstück des Posaunenchores "Komm Herr segne uns", dankte Pfarrer Kelinske den vielen Helfern. "So wie sich die drei Jahrhunderte die Menschen um die Kirche sorgten und ihnen der Erhalt eine Herzensangelegenheit war, so war es den Kirchenvorstehern, den Frauen und vielen Freiwilligen ein Bedürfnis, diese Feier zu organisieren." Er lobte die Schule und die politische Gemeinde ebenso wie die Jugendgruppe.

Sie kümmerte sich am Nachmittag um die Begegnung mit der Jugend bei Spiel und Kurzweil. Danke sagte der Pfarrer auch Michael Raab, der die vielen Konzerte organisierte, die es im Jubiläumsjahr gab.
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