Gleichstromtrasse Süd-Ost: Bayerischer Bauernverband kritisiert Pläne zur Erdverkabelung
Flächen werden nie mehr sein wie früher

Hans Winter. Archivbild: Hartl
(räd) Unzufriedenheit bei den Landwirten. Sie befürchten durch eine Erdverkabelung der geplanten Gleichstromtrasse Süd-Ost erhebliche Nachteile. "Es ist zu befürchten, dass die Landbewirtschaftung durch die Trasse dauerhaft negativ beeinträchtigt sein wird", sagt Hans Winter, Kreisgeschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband (BBV) in Weiden. Der BBV befürchtet nicht nur Erntenachteile, sondern kritisiert auch den enormen Flächenverbrauch, etwa bei den Übergangsbauwerken zwischen Freileitung und Erdkabel. Wir stellten Winter fünf Fragen:

Herr Winter, mit der Erdverkabelung sollten die Bedenken aus der Bevölkerung zerstreut werden. Warum äußert sich nun der BBV kritisch zu einer Erdverkabelung?

Der Bayerische Bauernverband kritisiert, dass die Anliegen der Grundstückseigentümer und Bewirtschafter, als die vom Netzausbau (anders als der Großteil der Bevölkerung) direkt in ihrem Eigentum sowie den Nutzungsrechten betroffenen Personengruppen, bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden. Mit großer Verwunderung wird zur Kenntnis genommen, dass jahrelang Forderungen der Landnutzer nach einem fairen Ausgleich mit dem Argument der Kosten abgelehnt wurden und nun von heute auf morgen auf die bisher wenig erforschte und sehr teure Erdverkabelung gesetzt werden soll.

Welche Probleme sehen Sie konkret für die Landwirte?

Durch die Erdverkabelung im Höchstspannungsbereich sind erhebliche Eingriffe in den Boden und seine Struktur zu erwarten. Die Eingriffe in das Eigentum und die Nutzung im Vergleich zu einer Freileitung sind erheblich gravierender. Wenn man sich vorstellt, dass für die Trasse der Oberboden flächig abgeschoben, tiefe Gräben ausgehoben und die Erdkabel zum Beispiel in Magerbeton oder Flüssigboden verlegt werden, kann man sich lebhaft ausmalen, dass die Fläche nie wieder so funktionieren wird wie vor den Baumaßnahmen. Verdichtungen sowie eine Erwärmung des Bodens durch das Kabel führen zwangsläufig zu Problemen in der Bewirtschaftung. Der bisher zusätzlich fällige naturschutzrechtliche Ausgleich geht ebenfalls zulasten der Nutzflächen. Zu klären ist auch, wie Landwirte im Falle eines Erdkabelbaus in dieser Größenordnung fair entschädigt werden können. Die jetzigen Regelungen sind da mehr als unbefriedigend.

Und welche Probleme sehen Sie für die Natur?

Die bis zu 2,50 Meter tiefen Kabelgräben werden mit Spezialmaterial unterfüttert. Das kapillare Bodensystem wird unterbrochen. Bei Leitungen dieser Größe liegen derzeit nur sehr wenig Praxiserfahrungen vor. Belastbare wissenschaftliche Untersuchungen sind kaum vorhanden. Es müssen breite Schneisen durch Wälder geschlagen werden, die dauerhaft frei von Bäumen und Bewuchs gehalten werden müssen.

Glauben Sie, dass die offenen technischen Fragen noch rechtzeitig vor einem Bau geklärt werden können?

Fest steht: Erst wenn alle Fragen, die die Landwirtschaft betreffen, geklärt sind, können wir aus Sicht der Landwirtschaft entscheiden, ob ein derartig großes Projekt guten Gewissens mitgetragen werden kann.

Wäre aus Ihrer Sicht dann eine Freileitung doch besser?

Zunächst gilt es zu prüfen und schlüssig darzustellen, ob wir überhaupt einen Netzausbau in dieser Form benötigen. Auch ist zu prüfen, ob nicht durch die Vernetzung von vielen dezentralen Erneuerbaren-Energien-Anlagen die Eigenversorgung erhöht und zugleich ein flexibler und netzoptimierter Einsatz von Energiespeichern und Kraftwerken möglich wäre. Regionale Energiekonzepte müssen gestärkt werden und der Ausbau der Erneuerbaren Energien durch die Schaffung der Rahmenbedingungen vor allem im Bereich der Eigenversorgung und Stromvermarktung vorangetrieben werden. Erst wenn dies nachweislich nicht ausreicht, können wir über zusätzliche Leitungen sprechen. Und dann müssen wir eben abwägen, welche Leitungsform die richtige ist.
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