Griechen räumen ihre Konten ab

Die Krise ist nicht ein Problem Griechenlands, sondern der EU als Ganzes.

Griechenlands Premier Tsipras zeigt sich demonstrativ zuversichtlich, dass das von ihm langersehnte Spitzentreffen der Euro-Staaten die Wende bringt. Griechische Bankkunden scheinen das nicht zu glauben. Einen kleinen Erfolg kann Tsipras in Russland verbuchen.

Vor dem wohl entscheidenden Krisentreffen im Schuldendrama um Griechenland haben die Euro-Finanzminister glaubwürdige Spar- und Reformvorschläge aus Athen angemahnt. Mit Blick auf das für Montag angesetzte Spitzentreffen der Euro-Länder forderte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras seinerseits die Europäische Union auf, seinem Land zu helfen. Dort hoben verunsicherte Bürger nach Schätzungen vom Freitag allein in dieser Woche rund vier Milliarden Euro von ihren Bankkonten ab.

Verbraucher und Unternehmen decken sich seit Monaten mit großen Mengen Bargeld ein. Ein Teil des Geldes wird ins Ausland geschafft, ein Teil schlicht gehortet. Die Einlagen fehlen den Banken in ihrem Tagesgeschäft. In Athener Bankenkreisen ist von drohenden Engpässen bei der Bargeldversorgung die Rede: Viele Kunden holten sich am Schalter mehr Geld als am Geldautomaten möglich sei. Die griechische Regierung versicherte am Freitag, das Bankensystem sei stabil Die Europäische Zentralbank (EZB) hält Griechenlands Banken mit weiteren Notkrediten vorerst über Wasser. In einer kurzfristig anberaumten Telefonschaltkonferenz entschied der EZB-Rat, den Rahmen für sogenannten Ela-Hilfen erneut auszuweiten. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von mit der Sache vertrauten Personen.

Milliarden aus Russland

Tsipras beschwor in St. Petersburg die Einheit der Union. "Die Krise ist nicht ein Problem Griechenlands, sondern der EU als Ganzes", sagte er. "Wir sind jetzt mitten in einem Wirbelsturm. Aber wir sind ein Seefahrervolk und haben keine Angst, aufs offene Meer zu fahren und werden ganz bestimmt in einen sicheren Hafen finden." Griechenland und Russland unterzeichneten auf dem Wirtschaftsforum in der Metropole ein Memorandum über den Weiterbau einer russischen Schwarzmeer-Gaspipeline (Turkish Stream) nach Griechenland. Davon erhofft sich die Regierung in Athen dringend benötigte Milliarden-Hilfen aus Moskau. Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew schloss einen Kauf von Staatsanleihen des EU-Landes aber aus. (Seite 8)
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