Griechen sagen "Nein" zu Sparvorgaben

Alle Warnungen aus Brüssel liefen ins Leere. Die Mehrheit in Griechenland hat die Nase voll von den Reformzwängen. Ist das das Ende für die Griechen im Euro, oder gehen sie gestärkt in neue Verhandlungen?

Mit einer überraschend deutlichen Mehrheit haben die Griechen per Volksabstimmung die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger abgeschmettert. Nach Auszählung von mehr als 80 Prozent der Wahlzettel stimmten gut 61 Prozent mit "Nein" und unterstützten damit den Konfrontationskurs von Ministerpräsident Alexis Tspiras. Nur knapp 39 Prozent sprachen sich am Sonntag dafür aus, unter den Konditionen der Geldgeber weiter zu verhandeln, wie das Athener Innenministerium mitteilte.

Die internationalen Geldgeber hatten gewarnt, ein mehrheitliches "Nein" werde alles noch komplizierter machen und womöglich ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro nach sich ziehen. Tsipras hatte dagegen seinen Anhängern versprochen, ein "Nein" werde seine Verhandlungsposition gegenüber den Geldgebern stärken. Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos reagierte erfreut auf erste Ergebnisse.

"Dies zeigt, dass das griechische Volk nicht erpresst, terrorisiert und bedroht werden kann. Die Demokratie siegt", schrieb er auf Twitter. Er ist Parteichef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen. Noch am Sonntagabend wolle man substanzielle Gespräche mit den internationalen Partnern beginnen, erklärte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis. "Es muss eine Lösung binnen 48 Stunden geben." Aufseiten der Euro-Partner zeichnete sich dagegen keine Bereitschaft zu schnellen Gesprächen ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande sprachen sich für einen Sondergipfel der 19 Euro-Staaten am Dienstag aus.

Die griechische Regierung hatte bis zuletzt die Position der Geldgeber aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) kritisiert. "Was man mit Griechenland macht, hat einen Namen: Terrorismus", sagte Finanzminister Gianis Varoufakis vor dem Referendum in einem Interview der spanischen Zeitung "El Mundo".

Die CSU nahm mit scharfen Worten Stellung zum Referendum. "Wir müssen jetzt besonnen reagieren, aber klar ist: die linken Erpresser und Volksbelüger wie (Ministerpräsident Alexis) Tsipras können mit ihrer schmutzigen Tour nicht durchkommen", erklärte Generalsekretär Andreas Scheuer am Sonntagabend. Das Ergebnis kommentierte er mit den Worten: "Kali nichta, Hellas - Gute Nacht, Griechenland!" Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte dem "Tagesspiegel" (Montag): "Tsipras und seine Regierung führen das griechische Volk auf einen Weg von bitterem Verzicht und Hoffnungslosigkeit."
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Juli 2015 (8668)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.