Griechenland: Knappe Mehrheit für Sparkurs?

Die Griechen steuern bei ihrem umstrittenen Referendum zur Schuldenkrise auf eine schicksalhafte Entscheidung zu. Kurz vor der Abstimmung beschrieben Gegner und Befürworter eines strikten Sparkurses immer drastischer mögliche Folgen des Votums am Sonntag. Der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentlichte am Donnerstag in Washington eine Schätzung, wonach Griechenland bis 2018 zusätzlich mehr als 50 Milliarden Euro benötigt.

Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis will von seinem Amt zurücktreten, falls die Griechen mehrheitlich "Ja" sagen zu den Sparforderungen. Sein niederländischer Amtskollege und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erwog unterdessen ein Ausscheiden der Griechen aus der Eurozone. Bei einem "Nein" zum Sparkurs fehle nicht nur die Grundlage für neue Hilfen, "sondern dann ist es sehr fraglich, ob es überhaupt eine Basis für Griechenland in der Eurozone gibt".

Griechenlands Staatschef Prokopis Pavlopoulos sagte angesichts der zugespitzten Lage seinen für Dienstag geplanten Antrittsbesuch bei Bundespräsident Joachim Gauck ab. Pavlopoulos habe um Verständnis dafür gebeten, dass er angesichts der aktuellen Situation in seiner Heimat in der nächsten Woche nicht verreisen wolle, sagte eine Sprecherin Gaucks.

47,1 Prozent für "Ja"

Einer Umfrage zufolge zeichnet sich bei dem Volksentscheid ein knappes Rennen ab. 47,1 Prozent der Befragten würden demnach "Ja" sagen zu den unlängst von den internationalen Gläubigern des Landes vorgeschlagenen Reformmaßnahmen. 43,2 Prozent wären dagegen, ergab die Befragung im Auftrag der konservativen Zeitung "Eleftheros Typos". Die Regierung in Athen warb weiter heftig für ein "Nein". (Seite 8)
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